Alpenüberquerung E5 Teil 2 im Juni 2021

Tag 0 – Anfahrt

Bis zuletzt gab es keine Sicherheit. Wird dieser Urlaub möglich sein? Doch die Inzidenzien sinken und man darf wieder reisen: Also lasse ich mich testen (natürlich negativ) und registriere mich vorschriftsmäßig als Einreisender in die autonome Region Bozen. Kriege aber leider keine Bestätigungsmail wie angekündigt.

Mein Zug geht früh, der Weg ist weit. Erst mal 4 1/2 Stunden bis München. Es gibt nicht allzu viele Mitreisende was angenehm ist. Der Himmel ist bedeckt, doch regnen tut es nicht. Ich nutze die Zeit um Schlaf nachzuholen.

Am Hauptbahnhof München ist auch nur wenig Trubel. Ich besorge mir einen Kaffee,  von Gleis 13 geht es weiter Richtung Venedig. Es ist ein EuroCity diesmal und schon ganz schön in die Jahre gekommen. Und trotzdem ist dieser Zug bequemer als ein ICE, die Sitze sind weiter auseinander. Ich habe freie Platzwahl, es ist ziemlich leer. Bis kurz vor Innsbruck ist alles ruhig; Ich schlafe, schaue aus dem Fenster – es regnet – dann tauchen Mitarbeiter des ÖBB auf und weisen darauf hin, was alles nötig ist, um nach Italien einreisen zu dürfen. Eine kleine Reisegruppe älterer Leute ist sauer, sie wussten nicht, dass vollständig geimpft sein nicht reicht. Sie müssen in Innsbruck aussteigen, sich testen lassen und können dann erst mit dem nächsten Zug weiter.

Ich hatte ja keine Bestätigungsmail für meine Einreiseregistrierung und versuche es jetzt nochmal. Es klappt nicht. Einer der durch die Abteile wuselnen ÖBB Mitarbeiter rät mir die normale für Italien geltende Variante zu versuchen und endlich kriege ich meine Mail. Kurz hinter der Grenze Österreich Italien am Brenner halten wir eine ganze Zeit. Draußen steht Polizei und Armee,  doch sie kontrollieren nicht. Irgendwann fahren wir wieder los.

Wie schon eine ganze Weile geht es weiter durch die Berge auf denen noch reichlich Schnee liegt. Ab und zu kann ich die Autobahn sehen. Noch 2 oder 3 Stopps, dann bin ich am Ziel: Bozen. Die nochmal 4 1/2 Stunden sind auch geschafft. Ich steige aus und es empfangen mich über 30 Grad. Puh, Gott sei Dank ist das Hotel nur 200 Meter vom Bahnhof entfernt.

Ich bekomme nicht das schönste Zimmer, doch egal, ist ja nur für eine Nacht. Nach dem Aklimatisieren bummle ich noch etwas durch die Stadt, die so scheint mir, noch auf Sparflamme läuft. Nur 50% der Geschäfte sind geöffnet, und man muss auch auf der Straße Maske tragen. Zum Hotel gehört einer schöner Garten, in dem ich den Tag ausklingen lasse. Bin gespannt, was der morgige bringt.

Tag 1 – Es geht los

Ich wache zu früh auf, es ist trotz Klimaanlage warm im Zimmer. Nach einigen Versuchen läuft der Fernseher und ich schaue irgendwas über Hunde bis es Zeit ist, frühstücken zu gehen. Es gibt ein reichhaltiges Buffet mit frischen Brötchen, Wurst, Käse, Joghurt und auch sonst alles was man in einem guten Hotel erwartet. Ich vergesse Kaffee americano zu sagen und kriege prompt für meine Kaffeebestellung einen Espresso. Wir sind eben doch in Italien, auch wenn alle deutsch sprechen. Den restlichen Vormittag vertreibe ich mir mit ein bisschen Stadtbummel und Fernsehen.

Gegen 12 Uhr checke ich aus und mache mich auf den Weg zum Treffpunkt an der Talstation der Seilbahn in Kohlern  (Es ist die älteste Seilbahn Europas, erbaut 1908). Es geht entlang der Etsch. Die Sonne brennt schon ganz schön. Obwohl es noch eine halbe Stunde vor der Zeit ist, werde ich am Treffpunkt von Bergwanderführer Roland und 4 Mitwanderern begrüßt (Bernd und Barbara aus Düsseldorf, Monika aus Thüringen und … Lissi? Ich bin perplex, denn Lissi stellt sich mir als  Elke aus Hamburg vor). Als dann noch Rudi aus Rottweil zu uns stößt, sind wir komplett und machen uns auf den Weg zur Seilbahn. Wir sind die einzigen Gäste, was gut ist, denn es gibt nur eine einzige Gondel. Oben angekommen erstürmen wir einen hölzernen Aussichtsturm von dem man einen schönen Blick auf Bozen hat. Vielleicht wollte sich Roland auch einen Eindruck von unserer Fitness machen, denn auch diese Tour kann beinahe als 50+ Tour gelten.

Wir sind erst wenige Schritte gegangen, da steht plötzlich mitten auf dem Weg ein einzelner Wanderer und schaut uns entgegen. Wir sind irretiert. Schließt sich uns doch noch jemand an? Doch der einsame Wanderer entpuppt sich als Elkes Mann, der schöne Tage wünschen will. Auf unseren ersten Wandermetern ist es noch heiß, die Sonne brennt, doch je weiter wir aufsteigen, desto angenehmer wird die Luft, vor allem unter den hohen Tannen und Fichten. Wir sehen blühende Bergwiesen und alte Häuser, kommen an einem Hochmoor vorbei, wo ich mir ein paar Mückenstiche einfange. Wegen der Mücken gehen wir schnell weiter. Immer wieder können wir einen Blick auf die Dolomiten erhaschen. Der Himmel ist strahlend blau und der Schnee der Berge und das Grün der Bäume ergeben ein wunderschönes Bild.

An einem kleinen Gasthof machen wir halt, um Kaffee oder anderes zu trinken. Jetzt ist es nicht mehr weit bis Deutschnofen, unserem heutigen Tagesziel. Am Wegesrand stehen Tafeln mit Geschichten aus der Region, zum Beispiel die von den steingewordenen Puppen vom Latemar.

Es ist ca. 18 Uhr als wir unsere Unterkunft erreichen. Bis zum Abendessen um 19 Uhr also noch genügend Zeit zum frisch machen und umziehen.

Die Wirtin ist gemütlich korpulent und sehr nett, ihr Haar sehr rot. Es gibt einen Hund, einen brauen, ebenfalls korpulent, ein Bordercollie. Als Abendessen bekommen wir Salat, Nuďeltaschen und Fleisch vom Hirschkalb. Es ist hier unüblich, das Hauptgericht mit Kartoffeln, Nudeln oder Reis zu servieren. Wir bekommen als Beilage Paprika in Sauce. Als Nachtisch gibt es noch Eis mit Erdbèertorte. Pappesatt verbringen wir den Abend mit erzählen. Wir müssen uns noch besser kennenlernen. Um uns herum in den Bergen brennen die Herzjesufeuer. Gegen 22 Uhr wird die Tafel aufgehoben und die Nacht eingeleutet.

Tag 2 – Deutschnofen nach Truden

Um 6:30 klingelt das Telefon. Ich bin mit Elke und Monika in 2 Zimmern mit Verbindungstür. Wir haben ein Bad und 1 Stunde bis es Frühstück gibt. Dieses dunkle würzige Brot ist besonders lecker. Danach machen wir uns sofort auf den Weg. Es ist noch angenehm kühl. Erste Etappe ist das Kloster Maria Weissenstein, welches wir über einen bequemen alten Pilgerweg erreichen. Dort oben ist nur wenig Betrieb. Wir machen eine ausgiebige Pause, schauen uns um und besuchen auch den einsamen Souvenirshop (wegen des Klos). Im Anschluss wandern wir zur Lahner Alm, wo wir für einen kleinen Imbiss einkehren. Anschließend geht’s zum Infocenter Bletterbachschlucht, weil wir Helme brauchen, um in die Schlucht absteigen zu dürfen. In der auch Grand Canyon genannten Schlucht ist nicht zu viel Wasser, wir können manchmal links des Baches, manchmal rechts entlangwandern. Es gibt hohe Felswände in verschiedenen Farben und Wasserfälle. Es werden natürlich viele Fotos gemacht. Wir verlassen die Schlucht wieder und steigen auf zu einem weiteren Infocenter, wo wir die Helme wieder abgeben. Obwohl wir sehr hoch sind, brennt dir Sonne heiß.

Jetzt folgt ein ewig langer Abstieg hinunter nach Kaltenbrunn. Der Versuch abzukürzen führt erst zu einem verschlossenen Tor und dann durch den Vorgarten einer netten Dame, die rauchend vor ihrer Tür sitzt. Ihr großer schwarzer Hund ist sauer und bellt.

Ein Stück weit laufen wir Straße, jetzt wieder leicht ansteigend, dann im Wald steiler und wünschen uns das Ende der heutigen Tour herbei. Als die ersten Dächer von Truden auftauchen, wird unser Schritt beschwingt. Noch einmal Trinkpause, dann durch den Ort Richtung Tal und wir stehen vor unserem Gasthaus (Trudenhof). Hier ist entschieden mehr los als in Deutschnofen. Es ist jetzt 18:30 und die Komoot App sagt, dass wir heute 22,8 km gewandert sind. In einer Stunde gibt’s Abendessen, heute Brennnessel-Klöße mit Gorgonzola Sauce, Kalbsschnitzel mit Kartoffelpürree und Gemüse und als Nachspeise etwas eisähnliches mit Himbeersoße (sehr süß). Bei einem Bierchen auf der Terrasse lassen wir den Abend ausklingen.

Tag 3 – Truden – Gfrill

Frühstück ist für Viertel vor 8 angesetzt. Eine Stunde vorher stehen wir auf. Ein Blick nach draußen sagt Hochnebel bei 15 Grad. Ich habe Muskelkater in den Schienbeinen. Beim Frühstück sind die kleinen runden Brötchen aus diesem leckeren würzigen Teig gemacht. Gegen halb neun starten wir. Der heutige Tag wird eher gemütlich sein. Vorbei am Weissensee erreichen wir schon nach zweieinhalb Stunden den Gasthof wo wir Rast machen. Hier fressen einen die Mücken auf. Als optionalen Programmpunkt gibt es den Aufstieg zum Trudner Horn (1.781 m), und nach einer Stärkung mit Johannesbeerschorle und Apfelstrudel für mich nehmen Elke, Monika und ich dieses Angebot an. Es ist nicht weit. Vielleicht 15 min, und wir stehen am Gipfelkreuz. Wir bereuen es nicht, die Aussicht ist doch besser als unser Bergführer uns weismachen wollte. Markant ist immer wieder der große Klumpen von Berg, wo unterhalb Bozen liegt. Wir machen natürlich Fotos.

Gleich als wir vom Gipfel runter sind brechen wir als ganze Gruppe auf zur Nachmittagsetappe. Es geht viel durch Wald, manchmal bergauf, dann bergab, im großen und ganzen aber eher gemütlich. Elke, auf der Alm um ihr Stück Strudel gebracht, riecht schon eine Stunde vor Ankunft in Gfrill den Kaffee. Am Abzweig Schwarzensee/Gfrill führt Roland uns, weil er gerade etwas erzählt, fast den falschen Weg. Das hätte eine Stunde mehr bedeutet. Kurz nach 16 Uhr sind wir am Fichtenhof (direkt neben der Kirche), einem der 3 Häuser von Gfrill und bestellen erst einmal Kaffee, Cappuccino oder Latte macchiato (ich).

Nach der Zimmerverteilung haben Elke und ich wieder ein gemeinsames Zimmer welches allerdings 4 Betten (Doppel- und Doppelstockbett) hat. Wir springen unter die Dusche, und ich stelle fest, Blasenpflaster halten nicht länger als einen Wandertag.

Im Ort gibt es eine Kneipsche Wassertrettanlage, die unseren Füßen erholsame Freuden beschert. Noch ein bisschen spazieren gehen um den winzigen Ort zu erkunden (Es gibt eine kleine Ausstellung über Wölfe), dann gibt es Abendessen: Salat vorweg, dann rote Bete Knödel mit Gnocchi in Käsesauce, als Hauptgericht junges Hausschwein mit angebratenen Kartoffeln. Nachtisch ist frisch selbstgemachtes Tiramisu. Da die Küche dieses Hauses als Gourmetrestaurant bekannt ist, habe ich mir eine Flasche Hauswein bestellt. Wir sitzen auf der Terrasse zusammen, bis die Sterne sichtbar werden, außer Rudi, der schaut Fußballeuropameisterschaft, Deutschland gegen Frankreich.

Tag 4 – Gfrill – Cembra

Zu 6:30 Uhr dudelt mein Handy und wir krabbeln aus unseren Betten. Ich habe mal wieder in einem Doppelstockbett geschlafen, allerdings unten. Das Frühstück ist üppig mit allem was dazu gehört, auch hier in diesem winzigen Dorf. Gegen halb neun ziehen wir los, noch einmal vorbei an den Kneippbecken. Die Luft ist frisch, vielleicht sechzehn Grad. Die Sonne beleuchtet die Felsen auf der gegenüberliegenden Seite es Etschtales. Unser Weg führt durch Wald. Hohe Nadelbäume säumen den Weg. Es ist eher eben, wir spüren nur leichtes auf und ab. Hin und wieder ist rechter Hand das Tal zu sehen mit der in ein künstliches Bett gezwungenen Etsch und Feldern (Rudi meint Obstplantagen). Man sieht auch die Straße und manchmal hört man sie. Unser Ziel ist der heilige See (Lage Santo), der hier im Salurner Wald liegt. Die Beschilderung macht uns konfus. Mal steht 10′, dann wieder 25′, dann plötzlich nur noch 5′. Die Geschichte zum See, die Roland uns erzählt, ist ganz interessant. Wir haben den deutschsprachigen Raum verlassen.

Bevor wir zum See gehen, machen wir Mittagsrast in einem netten Restaurant. Es ist warm genug zum draußen sitzen, auf einer Terrasse hinterm Haus. Es gibt Spinat Knödel mit Butter und Käse. Sehr lecker…

Am See direkt, der sehr schön naturbelassen ist, verdauen und entspannen wir mit den Füßen im kühlen Wasser, bevor der Abstieg nach Cembra beginnt. Dieser Weg nach unten wird zu einer ziemlichen Tortur, da uns die Mücken die für einen doch recht steilen Abstieg nötige Konzentration und Geduld rauben. Aber zwischendurch werden unsere Mühen mit schönen Ausblicken ins Tal belohnt. Irgendwann wird die Mückenplage weniger, dafür aber immer wärmer, je weiter runter wir kommen, bis die Weinberge oberhalb der Stadt erreicht sind. Durch eine schmale Gasse kommen wir an die Hauptstraße von Cembra. Dieser kurz folgen, einmal links abbiegen, und wir können uns vor unserem Hotel an Tischen niederlassen. Es ist ein schönes Hotel namens Europa. Diesmal haben alle bis auf unser Paar Barbara und Bernd ein Einzelzimmer.

Ich springe schnell unter die Dusche (barrierefrei), ziehe mich um und gehe in die Stadt. Auf dem Herweg hatten wir eine Eisdiele passiert; dort hole ich mir zwei Kugeln Eis und erkunde den alten Teil der Stadt mit seinen engen Gassen und der Kirche St. Petrus aus dem 16. Jahrhundert. Bis zum Abendessen finde ich noch Apfelbäume und Weinreben und setze mich – wieder am Hotel – zu Barbara und Bernd. Hier gibt es Bockbier, und ich bestelle welches. Um 19 Uhr wechseln wir an die für uns gedeckten Tische, immer noch draußen. Auch alle anderen haben sich inzwischen eingefunden. Ich entscheide mich für Meeresfrüchte (im Gebirge!): Nudeln mit Garnelen als Vorspeise und Lachsforelle als Hauptgericht. Als Nachtisch ein Grappa zum Verteilen. Mit Geschichten erzählen klingt der Abend langsam aus. Nach einem zweiten Bockbier habe ich einen leichten Schwips. Im TV läuft Fußball.: Italien gegen die Schweiz.

Tag 5 – Cembra – Palai en Bersntol

Die Nacht ist warm. Dem entsprechend  schlafe ich unruhig und bin lange vor der Zeit wach. Mit der Decke kämpfend warte ich darauf, dass es Zeit wird aufzustehen.

Das Frühstück ist weniger üppig heute. Wir sind halt jetzt richtig in Italien. Kurz vor acht steht unser Taxi bereit, das uns quer durchs Tal zu einer Stelle oberhalb der Erdpyramiden bringt, wo unsere Tour beginnt.

Wir erkunden das Gelände. Stellen unsere Rucksäcke bei einer Picknick Stelle ab, um unbeschwert für bessere Sicht weiter runter ins Tal zu laufen und auch wieder hinauf. Weiter geht’s,. Zum späten Mittag wollen wir am Redebus Pass sein und es sieht ganz schön weit aus. Roland verspricht uns viel Laufen in der Sonne, aber erst einmal gehen wir noch durch Wald, passieren Holzfällerarbeiten, müssen auch über Baumstämme klettern. In La Centrale machen wir für einen Espresso halt und verweilen so 20 min bevor wir weiter hinauf gehen. Erst etwas Straße, dann steil hinauf zur nächsten Straße und zum nächsten kleinen Bergdorf. An einem Brunnen tauchen wir unsere Mützen ins Wasser für etwas Kühlung. Doch so schlimm ist es mit der Hitze dann gar nicht, weil sich von Zeit zu Zeit Wolken vor die Sonne schieben. Obwohl es in der Sonne so 30 Grad sind, sehe ich am Straßenrand unter Laub Reste von Schneehaufen.

Am Pass angekommen, müssen wir feststellen, dass die dortige Gastwirtschaft geschlossen ist. Also ist es nichts mit einem Mittagessen. Wir finden ein paar Bänke und knabbern unsere Notration Nüsse. Dazu gibt es Wasser. Jetzt ist es aber bis ins Fersental (vergessenes Tal, deutschsprachig) nicht mehr weit. Und tatsächlich erreichen wir gegen 16:30 Uhr das Hotel Rosa Alpine, unsere Unterkunft hier. Ein erfrischendes Radler auf der Terrasse, dann entern wir die Zimmer. Ich teile wieder mit Elke. Nach dem Duschen will ich den Ort ein wenig erkunden, doch jetzt regnet es. Nach 10 min ist der Spuk vorbei und ich laufe Richtung Bach am Talgrund. Die Füße sind mit Turnschuhen so wunderbar leicht.

Also ich zurück komme, hat sich auf der Terrasse auch der Rest der Truppe eingefunden. Bis zum Abendessen um 19 Uhr haben wir noch 1 Stunde, die schnell mit erzählen vergeht.

Heute gibt es Salat, Nudeln mit Spinat und Parmesan, sowie Kalbsschnitzel mit Bohnen, dazu Weißbrot. Zu trinken nehme ich wieder den roten Hauswein. Es schmeckt voller als beim letzten Mal. Wieder auf der Terrasse bestelle ich einen Eisenkraut Tee und den Zirbenschnaps. Prost.

Tag 6 – Palai en Bersntol – Vetriolo

Ach ja, heute ist der letzte Wandertag, aber der hat’s noch mal in sich …

Nach dem einfachen Frühstück steht gegen 8 Uhr wieder ein Taxi bereit, damit wir ohne Asphalt laufen zu müssen, auf die andere Seite des Tales kommen. An einer kleinen Hütte verlassen wir Auto und Straße und steigen aufwärts. Es ist neblig heute morgen und kühl. Ich habe mir sogar eine Jacke über gezogen. Neben uns  fließt ein Bach. Völlig überraschend überholt uns ein Auto. Doch die Schotterpiste ist bald zu Ende und der Weg wird schmaler und steiler. Wir stoßen auf Schützenstände aus dem 1. Weltkrieg, eine Feldkapelle und eine vermutlich original möblierte Offiziersbaracke. Der Nebel zwischen den Bäumen macht die Szenerie nicht gerade heiter. An einer geschützten Stelle liegt noch ein Häufchen Schnee.

Weiter hinauf geht es, und die Schneeflächen werden häufiger und größer. Um uns herum wabert der Nebel. Plötzlich scheint der Weg zu Ende, doch Roland, unser Bergwanderführer weiß, wo es weiter geht: Über den Schnee. Anfangs ist das Überqueren der Schneefelder noch einfach, da der Anstieg nur sehr mäßig ist. Man sollte nur nicht ausrutschen. Doch dann scheint es tatsächlich nicht weiter zu gehen. Ein Aufwärts auf Schnee und das im Winkel von gefühlt mehr als 45°. Ich bin sehr skeptisch, aber Roland macht sich ans Werk für uns Tritte im Schnee zu schaffen. Er ist jetzt sehr konzentriert, geht vor, prüft den Weg, lässt uns folgen und achtet dabei auf jeden unserer Schritte.

Immer schwieriger wird das Vorankommen, immer steiler geht es bergauf. Wir müssen Abstand halten und beieinander bleiben. Der Nebel schränkt die Sicht manchmal auf unter 20 Meter ein. Dann kämpfen wir uns durch ein schmale Rinne zwischen Schnee und Fels und sehen über uns plötzlich Menschen. Wir haben den Pass (? 2.150 Meter) erreicht.

Auf der anderen Seite (Süden) sieht die Landschaft ganz anders aus, irgendwie lieblich (grüner und sanfter) im Vergleich zum Weg, den wir bekommen sind, und die Luft ist wärmer. Von einem nahen Gipfel kommt uns eine größere Gruppe fröhlich schnatternder Jugendlicher entgegen. Die beider Bergwanderführer haben natürlich einiges zu bereden, und wir machen derweil Pause, glücklich, diese Passage geschafft zu haben, aber auch, sie gegangen zu sein.

Als nächstes wandern wir auf dem Grad entlang. Kommt die Luft von rechts, ist sie kalt und feucht. Von links steigt warme Luft auf. Wir passieren ein Gipfelkreuz und an einer zur rechten Seite geschützten Stelle machen wir Rast und verzehren unsere aus dem vergessenen Tal mitgebrachte Brotzeit. Dann geht es abwärts bis zur Baumgrenze. An einem Picknickplatz machen nochmals Halt um dann wieder in bewaldetem Gebiet zu wandern. Überall am Wegesrand liegen Baumstämme und wir philosophieren, warum das Holz 2 Jahre nach dem Sturm immer noch hier liegt.

Als wir die Vetriolo Therme erreichen, ist es laut Roland noch eine 45 Minuten lange viertel Stunde bis zu unserer Unterkunft, daher verzichten wir auf eine weitere Pause. An diesem letzten Gasthof der Tour angekommen, machen wir es uns draußen gemütlich und genießen Eiskaffee, Radler, Bier oder Aperol Spritz bevor die Zimmer verteilt werden. Elke und ich teilen uns einen Raum unterm Dach, wo ich mir an den Balken mehrmals den Kopf stoße.

Nach dem Abendessen mit Gemüsesuppe, leckeren Kartoffelspalten in Scheiben mit einer Art Gulasch und als Nachtisch Tiramisu sitzen wir bis zum Dunkelwerden zusammen und lassen die Tour Revue passieren. Unser Bergwanderführer Roland hat zu jedem ein paar Worte und verteilt die Zertifikate zur erfolgreichen Vollendung der 2. Etappe der Alpenüberquerung. Auf einer Landkarte schauen wir uns den gewanderten Weg noch einmal an. Es waren mehr als 100 km.

Tag 7 – der lange Weg nach Hause

Nach dem üppigen Frühstück wartet das Taxi, welches uns in etwas mehr als einer Stunde zurück nach Bozen bringt. An der Talstation der Seilbahn in Kohlern steigen Barbara, Bernd, Monika und Roland aus und wir sagen einander Tschüss. Elke, Rudi und ich können bis zum Bahnhof mitfahren, wo auch wir uns verabschieden. Wer weiß, es wird gesagt, man trifft sich immer zweimal im Leben. Ich sehe Elke noch in den Zug nach Meran steigen und winke, doch sie sieht mich nicht. 12:34 Uhr fährt mein Zug Richtung München und gegen 21:30 Uhr bin ich wieder in der Heimat.

Vielen Dank an die Bergschule Oberallgäu für die super Organisation der Tour und an uns, die Mitwanderer, die das Ganze mit Leben füllen. Und mit dir Roland würde ich auch wieder über Schneefelder klettern und über das Holzen philosophieren. Bingo, 100 Punkte für dich!

Impressionen