Apulien im Juni 2019

Sonntag, 09.06.2019

Um 3 Uhr in der Früh klingelt der Wecker. Ich schrecke hoch. Die Nacht war viel zu kurz. Ich schmeiße Ute aus der Bett. Wir haben nur eine Stunde bis wir los müssen um rechtzeitig am Flughafen an sein.
Um 5 Uhr sind wir am Flughafen und können den aus einem Automaten kommenden Aufkleber an den Koffern anbringen und sie auf das Band stellen in der Hoffnung, sie in Bari wieder zu bekommen. Die zwei Stunden bis zum Abflug vergeben mit Kaffee und einem Snack für Ute schnell. Die zwei Stunden Flug ebenfalls.

Am Flughafen Bari empfängt uns Sonnenschein und unsere Koffer. Der Schalter der Autovermietung ist sehr voll. Man muss eine Nummer ziehen, aber das System ist undurchsichtig. Wir gehen erstmal einen Latte Macchiato trinken. Es ist halb zehn und wir haben Zeit. Im Hotel können wir sowieso erst ab 16 Uhr einchecken.

Zurück an der Autovermietung ist unsere Nummer bereits gewesen, also drängeln wir einfach vor und haben nach 10 Minuten die Papiere, nach weiteren 15 min sitzen wir in einem kleinen weißen Fiat Cinquecento.

Wir haben kein Navi und entscheiden uns für die Küstenstraße. Es geht mit durchschnittlich 30 kmh über holprige Straßen durch einen Ort nach dem anderen. Die größeren lauten Molfetta, Bisceglie, Trani … Irgendwo halten wir an einem Penny um Wasser zu kaufen.

Kurz vor Barletta reicht es uns und wir fahren ins Landesinnere, wo es eine Autostrada gibt. Kostet natürlich Maut. Bei Cerignola verlassen wir dieses Straße wieder, jetzt Richtung Manfredonia. Inzwischen ist es schon Nachmittag. Die Anzeige im Auto sagt 28 Grad und ein Hinweisschild noch 68 km bis zum Ziel.

Eine gut ausgebaute Straße führt durch 4 oder 5 lange Tunnel zur weniger gut ausgebauten über die Berge. Eine halbe Stunde geht es über Serpentinen hinauf und noch einmal 30 Minuten wieder hinab, manchmal an wunderschönen Badebuchten vorbei. Dann sind wir in Vieste. Utes Navi-App hilft, unser Domizil zu finden – eine Ferienanlage mit kleinen Appartement Häuschen. Die Rezeption ist geschlossen, wir müssen zum Nachbarhotel. Lisa spricht deutsch, gibt uns die Schlüssel und zeigt uns die Anlage. Wir müssen sagen, wo am Strand unser Platz sein soll. Die ersten drei Reihen kosten extra.

Wir sind ein bisschen enttäuscht. Das Appartement ist sehr klein und die Terrasse ist schattig. Im Inneren räumen wir erstmal um, damit es gemütlicher aussieht. Wir erfahren, Frühstück und Abendessen sind kein Buffet. Müde und hungrig versuchen wir, uns zu orientieren. Wo ist was, Pool, Strand, Lokation für Frühstück und Abendessen. Es gibt ein gut sortierten Markt, sogar mit frischem Obst, Wurst- und Käsetheke.

Ab 19 Uhr gibt es endlich etwas zu Essen, und es ist vorzüglich – wie in einem 5-Sterne Restaurant. Für Vor- und Nachspeise ist ein Buffet aufgebaut, für zwei Hauptgerichte kann zwischen je 4 Möglichkeiten gewählt werden. Wir sitzen und essen und quasseln bis ca. halb zehn. Dann noch duschen usw. und ab in die Falle. Ute in dem einen, ich auf der Couch in dem anderen Zimmer.

Montag, 10.06.2019

Gegen sieben werde ich wach. Draußen ist schönster Sonnenschein, genau auf unsere Terrasse. Bei offener Tür flutet das Licht durch die Räume, und unser Appartement ist gar nicht mehr klein. Eine Stunde später kriecht auch Ute aus den (nicht vorhandenen) Federn.

Zum Frühstück gibt es Kaffee americano (einer ist inklusive, jeden weiteren müssen wir bezahlen), Brötchen und Croissants. Als Belag leider nur süße Sachen wie Marmelade und Honig. Ich bestelle Salz. Man schaut mich zwar verwundert an, aber ich bekomme es.

Der heutige Tag ist zum relaxen gedacht, also Pool, Strand und nähere Umgebung erkunden. Ute zieht es zum Strand, mich eher in die Umgebung. Wir haben nur einen Schlüssel. Die Rezeption der Ferienanlage wird gerade für die Saison vorbereitet, der zweite Schlüssel zu unserer Hütte ist nicht zu finden. Man bietet uns an, einen Zweitschlüssel anfertigen zu lassen, aber dafür müssten wir unseren für mehrere Stunden abgeben. Der Gedanke ist nicht so prickelnd. Entscheidung: Schlüssel an der Rezeption hinterlegen, und wer ins Zimmer will, muss ihn holen.

Nachdem das geklärt ist, laufe ich Richtung Altstadt, an deren höchster Stelle ein Kastell tront. Es geht durch schmale Gassen und über Treppen hinauf – eine typische Kleinstadt am Mittelmeer. An einem Platz kaufe ich eine Kugel Eis. Es gibt viele kleine Geschäfte und Restaurants. Da Mittagszeit ist, sind die Geschäfte geschlossen. Oben angekommen, kann ich eine wunderschöne Aussicht genießen. Beiderseits der Stadt erstrecken sich lange Sandstrände, der südöstliche teilweise unterhalb des Wahrzeichens von Vieste, eines großen Kalksteinfelsen.

Das Kastell ist Militärgebiet und verriegelt und verrammelt. Schade! Ich steige wieder hinab zum Meer, laufe noch ein bisschen die Promenade entlang. An einem kleinen Stand steht Angelika und wartet auf Kundschaft für Bootstouren zu den Grotten, von denen es hier wohl ziemlich viele gibt. Wir unterhalten uns eine Weile; sie ist sehr stolz auf ihre Deutschkenntnisse.

Auf dem Rückweg wird mir dann doch ganz schön warm, und ich kriege Lust auf ein Bad im Meer. Also suche ich unsere Parzelle am Strand. Niemand da. Ich hole den Schlüssel. Ute finde ich am Pool, wo sie gerade einen Rüffel bekommt weil sie der Badekappenpflicht nicht nachkommt. Dabei habe ich extra zwei mitgenommen. Wir gehen zusammen zum Strand. Das Wasser ist genau richtig zum baden, nicht zu kalt und nicht zu warm. Vor dem Abendessen schreiben ich noch ein kleines Stück Urlaubsblog. Wir gehen früh schlafen denn morgen ist ein großer Ausflug geplant.

Dienstag, 11.06.2019

Aufstehen, etwas trinken, ein Geschenk bekommen, frühstücken – Morgende ähneln einander. Kurz nach 9 Uhr brechen wir auf und erwischen prompt die andere kringelige Straße. Diese verläuft nicht so nah der Küste. Es gibt hier viel mehr Wald. Plötzlich sitzt mitten auf der Straße etwas. Beim näher kommen entpuppt es sich als kleiner Hund. Ein offenbar ausgesetzten Welpe, furchtbar verwahrlost und halb verhungert. Es schnürt einem die Kehle zu, Menschen sind grausam. Wir können ihm nicht helfen. Ute versucht ihm Wasser zu geben, doch er hat Angst und weicht taumelnd zur Seite.

Beim Verlassen des Gargano erwischen wir die richtige Straße (ss16). Puh. Ich verlasse mich auf Utes nicht vorhandene Kartenlesekunst, und wir fahren erstmal eine halbe Stunde in die falsche Richtung. Aber auch der Reiseführer sagt, die Beschilderung der Straßen in Apulien ist verbesserungswürdig.

Es ist bereits eins als wir unser heutiges Ziel erreichen, das Castel del Monte. Schon aus einiger Entfernung ein imposanter Bau, tront es auf einem Hügel südlich der Stadt Andria. Parken können wir auf Privatgelände für 3 € (no time limit, wie der Typ dort sagt). Das scheint alles zu sein, was er sagen kann. Egal, was wir fragen, er sagt immer nur „no time limit“.

Wir umrunden das achteckige Ding mit den acht Türmen und gehen dann hinein. Mit Hilfe eines Audioguide lassen wir uns alles erklären, klettern auch in die 2. Etage – was über eine Wendeltreppe in einem der acht Türme gar nicht so einfach ist. Auch der Innenhof hat acht Ecken. Was für eine Harmonie. Toll zum angeben, aber zum wohnen … ? Wenn man im Obergeschoss in den letzten Raum will, muss man erst die anderen sieben durchqueren. Dafür gibt es mehrere Bäder. Der Auftraggeber für den Bau dieses Gebäudes war übrigens ein Enkel von Friedrich Barbarossa.

Gegen 16:30 Uhr haben wir alle Winkel (128 oder 256 oder 512 ?) des Kastells erkundet und machen uns auf den Heimweg. Das Thermometer im Auto zeigt jetzt 40 Grad. Gott sei Dank haben wir eine Klimaanlage. Erste Station – wieder in Andria – ist eine Tankstelle. Neben Sprit fürs Auto brauchen wir auch einen Kaffee und vielleicht ein Eis. Doch man versucht uns zu betrügen. Das Eis soll das doppelte kosten wie normal. Wir gehen. Bei der nächsten haben wir mehr Glück und verlassen erfrischt, gestärkt und mit vollem Tank die Stadt.

Jetzt folgt wieder eine lange Fahrt, wir fahren den einen oder anderen Umweg (wie immer). Eigentlich war ein Abstecher zu einer der Badebuchten des Gargano geplant, aber es ist zu spät. Gerade noch rechtzeitig fürs Abendessen erreichen wir unsere Ferienanlage.

Mittwoch, 12.06.2019

Heute ist wieder ein Tag zum Faulenzen. Lange ausschlafen und das übliche süße Frühstück, dann mal schauen. Im Supermarkt haben wir Kaffee gekauft, die erste Tasse davon ist ein Hochgenuss. Die Rezeption hat inzwischen den Zweitschlüssel zum Appartement gefunden, so dass wir ohne Probleme getrennte Wege gehen können.

Ute geht zum Strand.

Ich mache mich auf zu der der Altstadt abgewandten Seite Wie es wohl am Ende des Strandes hinter der Kurve weitergeht? Als erstes stoße ich auf einen zweiten Trabucchi (am Hafen war auch einer, allerdings ziemlich verfallen), der sogar noch genutzt wird, wenn auch nur für Touristen. Diese traditionellen Pfahlbauten der Fischer sehen filigran aus, sind aber belastbar. Es gibt in ganz Apulien nur noch vierzehn. Noch weiter um die Ecke rum ist wieder Strand und Ferienanlagen. Auf dem Rückweg wate ich durch das Wasser, welches heute ziemlich kappelig ist.

Ute finde ich am Pool. Am Strand weht der Wind einem den Sand in Augen, Mund und Nase, sagt sie.

Eine kleine Stärkung mit Apfel und Wasser, und ich schlage die dritte mögliche, trockene Richtung ein – den Berg hinauf. Erst gibt es noch Hütten wie unsere, die in einfachere Unterkünfte ohne eigenem Bad übergeben. Doch auch diese sind hier und da bewohnt. Noch weiter oben sind seltsame Gerätschaften, die ich nicht einordnen kann. Ein Hundetrainingsplatz? Schilder verraten mir dann, es handelt sich um Parcours für angehende Polizisten, also so etwas wie eine Sturmbahn.

An diesem Abend bestellen wir Pizza statt des 5-Sterne-Menü. Wir sind schließlich in Italien. Danach schauen wir noch ein wenig der Abend Animation für Kinder zu. Für Erwachsene gibt es hier nichts.

Donnerstag, 13.06.2019

Es ist der Tag des heiligen Antonio, doch davon später.

Nach dem Frühstück steigen wir in unsere kleine weiße Knutschkugel um die Berge des Gargano ein weiteres Mal zu überqueren – an der Küste entlang, nicht durch den Wald. Unser Ziel heißt heute Monte San Angelo, wo es eine Höhlenkirche mit einer Grotte gibt, in der im Jahr 490 nach Christus der Erzengel Michael erschienen sein soll. Als wir ankommen, ist noch Mittagspause. Wir finden eine kleine Eisdiele; es gibt italienisches Eis, dazu einen Latte Macchiato.

Der Eintritt zur Grotte ist frei. Man muss 86 Stufen hinunter steigen, um die Kühle und Heiligkeit der Örtlichkeit in sich aufzunehmen. Es gibt sehr, sehr viele Beichtstühle hier. In der Grotte wechseln sich Gottesdienste in verschiedenen Sprachen ab. Als wir die Höhlenkirche gegen vier Uhr wieder verlassen, treffen ganze Busladungen von Besuchern ein. Puh, Glück gehabt.

Da es noch relativ früh ist, wollen wir eine der schönen Badebuchten ansteuern, doch überall sind die Abstellmöglichkeiten für Autos besetzt. Hinter Vieste finden wir dann doch noch einen Parkplatz, doch die Bucht gefällt Ute nicht. Es ist ein gutes Stück zu laufen. Ich wäre gerne eine Weile geblieben. Da ist ein anderer Weg hinauf, den Ute nehmen will. Ich soll das Auto holen. Gut, sage ich, treffen wir uns um kurz vor fünf. So habe ich ein bisschen Zeit, den etwas wildereren, unbefestigten Weg zur Nachbarbucht zu erkunden. Vorherrschende Gesteinsart hier ist ein heller Kalksandschein, oft vom Wasser ausgewaschen.

Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, ist Ute natürlich nicht da. Ich werde einen Blick über den Strand, keine Ute. Ich gebe ihr 10 min. Wenn sie dann nicht da, muss sie zurück laufen. Wenn sie das nicht sowieso schon tut.

In unserer Hütte treffen wir wieder aufeinander, beide leicht verärgert. Doch es ist Abendessen Zeit. Das versöhnt. Ich esse heute Drachenkopf Filet, also Fisch.
Den Rest des Abends verbringen wir lesend und schreibend und gehen dann schlafen. Nicht lange danach fängt draussen ein großer Krawall an. Es rummst und knallt, das die Bude wackelt. Die Feierlichkeiten zum Tag des heiligen Antonius finden wohl gerade ihren krönenden Abschluss. Es klingt, als wäre Krieg.

Freitag, 14.06.2010

Habe ich eigentlich schon von unseren Haustieren erzählt. Zum einen ist da Luigi, ein Schäferhund Mix. Schon alt, aber freundlich und lieb. Er bewegt sich frei in der Anlage, und wenn ihm jemand Aufmerksamkeit schenkt, dann freut er sich. Zum anderen ist da eine bunt gefleckte Katze, die uns neuerdings auflauert, wenn wir vom Essen kommen. Wir nennen sie Lucia. Sie besucht uns für Streicheleinheiten auch auf unserer Terrasse.

Zum Frühstück gibt es wie jeden Tag für jeden ein Brötchen, gefüllte Croissants – wahlweise mit Pudding, Schokocreme oder Marmelade – , Latte Macchiato, Joghurt und Orange (aranci) – oder Ananas Juice. Wir lassen uns Zeit, denn auch für heute gibt es keinen festen Plan.

Danach geht Ute zum Strand.

Ich habe mir vorgenommen, eine der im Reiseführer beschriebenen Wandertouren zu machen. Wir haben eine Karte von Vieste, doch ich kann den Ausgangspunkt nicht finden. Alternative: an der Rezeption fragen. Dort rät man mir ab von der Tour und empfiehlt mir stattdessen den Besuch der Katakomben. Sie sollen nur 7,5 km entfernt sein. Das kann ich schaffen, und so mache ich mich auf den Weg.

Ich komme wieder an dem Trabucchi vorbei. Diesmal steht die Tür offen, also gehe ich auch hinauf zum Schauen. Ein Fischer lässt über eine Winde das große Netz ins Wasser und zieht es auch wieder hinauf. Es sind natürlich keine Fische darin, nach so kurzer Zeit. Ich frage mich, ob man auf diese Weise an diesem Ort überhaupt noch welche fangen kann.

Noch ein kurzer Abstecher zur alten Kirche auf dem Hügel – sie ist leider verschlossen -und weiter geht’s die Straße entlang. Es ist warm, die Sonne brennt, doch ich setze tapfer einen Fuß vor den anderen. Links und rechts wechseln sich Gärten mit Olivenbäumen und Campingplätze ab. Eine schwarze Schlange verschwindet neben mir im Gras. Sie ist gar nicht mal so klein. Obwohl die Route parallel zum Meer verläuft, sieht man kein Wasser, und es weht kein Lüftchen. So vergehen eineinhalb Stunden, und immer noch ist da kein Hinweisschild zur La Salata. Als ich an einem Ferienanlageneingang vorbeikomme, frage ich nach. Bis zu meinem Ziel sind es noch 4 km, sagt man mir. Ich will keinen Sonnenstich und kehre um. Tröste mich mit einem Eis. Wäre ich doch lieber meinem ursprünglichen Plan gefolgt. Später erfahre ich, das die Nekropole nur am Wochenende geöffnet ist. Ein Sonnenstich für nichts?

Am späten Nachmittag, zurück an unserem Strand, hat der Wind beträchtlich zugenommen. Die rote Fahne flattert im Wind, was bedeutet: Baden ist gefährlich. Einer der Rettungsschwimmer spricht richtig gut deutsch. Von ihm erfahren wir, das die Kanus und Boards für Windsurfen und Standup Paddling zu unserem Villaggio gehören und inklusive sind. Aber es ist zu windig, vielleicht morgen.

Nach dem Abendessen sitzen wir gemütlich bei einem Bierchen auf unsere Terrasse, als sich an der Wand etwas bewegt, ein Gecko, sogar ein ziemlich großer. Aufmerksam geworden, entdecken wir immer mehr.

Samstag, 15.06.2019

Kaum betrete ich die Terrasse, ist auch Lucia schon da und gähnt mich an und schleicht mir um die Beine. Halb neun gibt’s Frühstück, heute mit Frischkäse, da Ute welchen im Markt gekauft hat. An der Rezeption fragen wir nach der Bootsfahrt zu den Grotten an diesem Nachmittag. Man kann uns noch keine verbindliche Zusage machen. Die Tour findet nur bei genug Interessenten statt. Wir möchten doch gegen 13:00 Uhr wiederkommen.

Das Meer liegt an diesem Morgen wieder ruhig da, gut für meinen ersten Versuch im Standup Paddling. Es ist leicht wolkig und sehr warm. Der erste Strandmeister, den ich frage, spricht weder Deutsch noch Englisch, und ich spreche leider kein Italienisch. Der Typ vom Vortag kommt aber auch bald und hilft mir bei der Organisation von Board und Paddel. Erstmal paddle ich auf Knien hockend, was sehr gut funktioniert; doch immer wenn ich mich hinstelle, wird das nach wenigen Sekunden mit einem Platscher in kühle Nass belohnt. Nach einer Stunde winkt mich Lupo, der Windsurflehrer, aus dem Wasser. Es hat Riesenspaß gemacht.

Es ist Zeit, wegen der Bootstour nachzufragen. Der Bescheid ist positiv und so kaufe ich gleich die zwei Tickets. Bis wir am Hotel abgeholt werden, bleibt noch eine Stunde. Genug Zeit, um sich ganz entspannt fertig zu machen.

Ganz pünktlich kommt unser Fahrer und bringt uns zum Hafen, wo schon eine Gruppe Wartender steht. Das Schiff wird nicht voll. Von 150 vorhandenen Plätzen sind vielleicht 30 besetzt. Wir verlassen den Hafen, passieren den Leuchtturm, der auf einer Insel steht und einen großen Schriftzug „VIESTE“ trägt. Vorbei am langen Sandstrand stehe ich am Bug und genieße den Fahrtwind. Wir erreichen die ersten Kalksteinformationen. Sie haben alle Namen, dir wir uns aber nicht gemerkt haben. In einige Grotten manövriert der Captain das Boot sogar hinein.

Nach ca. 2 Stunden ankern wir in einer Bucht für eine halbstündige Pause. Ich gönne mir meinen ersten Creme Kaffee. Sehr lecker. Die Rückfahrt ist eigentlich als schnell absolviert geplant, doch der Kapitän drosselt plötzlich den Motor. Ich war schon fast eingeschlafen. Was ist los, Sprit alle? Erst leise, dann lauter, aufgeregter ertönen Rufe: Dolfins, Delfine. Eine kleine Schule von drei Tieren tummelt sich keine 50 Meter von uns entfernt.

Heute fürs letzte Abendessen hier, bestellen wir noch einmal Pizza und gehen dann unsere Koffer packen.

Übrigens, Luigi heißt eigentlich Oskar und ist schon 15 Jahre alt.

Sonntag, 16.06.2019

Aufstehen um 8 Uhr früh, ein letztes Frühstück in Vieste mit gefüllten Croissants, Latte Macchiato und Frischkäse, dann auschecken. Abfahrt ist 9:45 Uhr. Ute stellt ihre App ein; wir entscheiden für die Nordroute. Die Entfernung beträgt 296 Kilometer.

Erst fahren wir noch an der Küste entlang, wo rechter Hand riesige Seen liegen. Ab und zu spinnt die Navi App und führt uns auf seltsame Schleichwege, die unser kleiner Renner nur im ersten Gang schafft, um uns dann auf die Hauptstraße zurück zu lotsen. Für eine Strecke von 50 km nutzen wir die Autostrada, was uns 3,90 € kostet. Dann geht es quer über den Stiefel Richtung Westküste.

Gegen 13 Uhr plagt uns Hunger, und das Benzin ist auch fast alle. Ein schönes Blockhaus mit Tankstelle irgendwo im nirgendwo lädt freundlich zur Rast ein. Erstmal Sprit auffüllen (bezahlt wird im voraus an einem Bankomat), dann hole ich mir zur Stärkung einen Ginseng Kaffee, den ich schon immer Mal probieren wollte. Ute kauft sich ein Pannini und dazu einen Latte Macchiato mit kalter Milch. Mal etwas anderes.

Nochmal 2 Stunden Fahrt, dann haben wir Baia Domizia um 20 Minuten nach drei erreicht. Unsere Ferienanlage finden wir sofort.

Man lässt uns nicht rein, die Schranke bleibt zu. Bitte erst einchecken. Das ist schnell erledigt, wir finden einen Parkplatz und machen uns mit dem Appartement vertraut. Es ist groß diesmal. Es gibt ein Wohnzimmer mit offener Küche und zwei Schlafzimmer. Welch ein Luxus.

Unser erster Gang führt zum Strand. Der Sand ist hier sehr dunkel, fast schwarz, und die See rau. Ute möchte sofort das Wasser testen und lässt sich ins Meer fallen, in voller Montur. Alles ist nass, Handtuch, Rucksack, Strandkleid. Ein jungen Mann hilft sofort. Wir müssen den Schuhen hinterherhechten, damit sie nicht fortschwimmen.
Liegen und Schirm wollen wir nicht mieten (kosten 12 € pro Tag) und breiten alles auf ein paar Stühlen auf einer Terrasse aus. Ich stürze mich ebenfalls in die Fluten. Die Wellen sind hoch, da macht baden Spaß. Später holen wir vom Supermarkt Getränke.

Als es Zeit ist – so gegen acht Uhr – gehen wir zum Abendessen, neugierig wie es sein wird. Verwöhnt vom 5 Sterne Essen in Vieste werden wir regelrecht geschockt. Das wir nur Wasser bestellen, empört den Keller geradezu. Die Teller werden uns fast aus der Entfernung zugeworfen. Es gibt nur die Wahl, friss oder lass es. Am Nebentisch wird sich lautstark auf russisch unterhalten. Auch die Abendunterhaltung ist russisch, mit Ballet und Gesang.

Später setze ich mich noch kurz in die Rezeption und werde von den Mücken nahezu zerfleischt.

Montag, 17.06.2019

Wir schlafen bis viertel nach acht, was ungewöhnlich lange ist. Dies soll wieder ein Tag zum relaxen sein. Gemütlich schlendern wir zum Frühstück. Diesmal ist ein Buffet aufgebaut, und ich werde sofort an das Lied „Die heiße Schlacht am kalten Buffet“ von Reinhard Mey erinnert, denn genauso ist es jetzt an diesem. Keine der Platten mit Wurst, Käse oder was auch immer erreicht ihren Bestimmungsort auf dem Buffet. Sie sind vorher schon leer. Man muss sich vor grabschenden Händen und schnellen Füßen in acht nehmen. Und der Kaffee wird, was ich noch nie erlebt habe, in Eimern serviert.

Heute ist das Meer ruhiger als am Vortag. Wir laufen am Strand entlang, bis wir nicht weiterkönnen, weil ein Kanal aus dem Landesinneren kommt. Alles wirkt etwas einsam, menschenleer, ungenutzt. Das Wasser hat aber eine angenehme Temperatur zum Baden.

Zu Mittag essen wir Würstchen (hier immer mit Würstel übersetzt), noch aus Vieste.
Wir relaxen, lesen, zappen durch das Fernsehprogramm, schreiben an die armen Daheimgebliebenen die eine oder andere Nachricht oder checken unsere Fotos.
Nach einer gepflegten Tasse Kaffee mit Croissant und leckerem Blaubeerjoghurt aus dem Supermarkt mache ich mich auf in den Ort. Es gibt schöne Häuschen, vermutlich Feriendomizile, doch ansonsten nichts. Zurück laufe ich am Strand entlang. Der überwiegende Teil ist bewirtschaftet, mit Liegen und Sonnenschirmen. Ich bekomme allerdings den Eindruck, da sind mehr Rettungsschwimmer als Urlauber vorhanden.

Den Nachmittag verbringen wir am Pool, dessen Wasser sehr warm ist, als wäre er beheizt. Beim Abendessen ist der Kellner etwas freundlicher heute. Ute sagt, er sieht aus wir Omar Sharif.

Auf den Straßen Apuliens führen alle Wege nach Canosa. Wenn wir uns irgendwo verfahren haben, gab es immer ein Hinweisschild zu diesem Ort.
Morgen werden wir – abgesehen von der Fahrt nach Neapel – unseren letzten Ausflug unternehmen.

Dienstag, 18.06.2019

Auf der Agenda steht für heute der Besuch der phlegräischen Felder in Pozzuoli am westlichen Stadtrand von Neapel. Dort wollte ich eigentlich schon hin, als wir vor einigen Jahren auf der Insel Ischia Urlaub machten. Damals haben wir es zeitlich nicht geschafft.

Die Strecke beträgt nur etwas mehr als 50 km und ist wenig befahren. Gegen Mittag sind wir dort. Wir finden einen Parkplatz beim Vulkan Solfatara und werden von haufenweise Katzen begrüßt. Sie verwechseln uns wohl mit der Futterlieferantin, die kurze Zeit später eintrifft. Am Ende zählen wir 12 Tiere.

Am Tor zum Gebiet des Vulkano Solfatara hängt ein Zettel mit dem Hinweis: Wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Ein Mitarbeiter vom Cafe/Souvenirshop gegenüber sagt etwas von einem Unfall; wir könnten aber 200 Meter am Zaun entlang den Berg hinauf gehen. Von dort kann man ein bisschen etwas sehen. Das wäre „better than nothing“. Wir schauen mal, und tatsächlich sieht man ein einiger Entfernung ein Rauchsäule aufsteigen. Ob natürlichen Ursprungs oder nicht, spielt doch keine Rolle.

Wir setzen uns in das Cafe, Ute bestellt einen Cappuccino und ein Hot Dog, ich einen Kaffee. Was natürlich bedeutet, ich bekomme einen Espresso (mein erster in Italien) und ein Glas Wasser.

Als nächstes quälen wir unseren kleinen Cinquecento zum Monte Nouvo hinauf. Der Berg soll innerhalb von nur drei Tagen entstanden sein. Die alte Stadt der Römer versank daraufhin im Meer. Man kann die Ruinen per Boot besichtigen, was wir aber nicht tun. Ein Mitarbeiter dort am Vulkan hat nichts weiter zu tun und begleitet mich zum Krater hinauf und zeigt mir auch Stellen, an denen heißer Dampf aus der Erde kommt. Als ich hineinschaue, beschlägt meine Brille. Ute habe ich unten an einem schattigen Plätzchen zurückgelassen.

Letzter Stop ist am Hafen von Pozzuoli, wo wir einen schönen Parkplatz bei einem großen Markt finden, der geschlossen ist. Ich nehme an, das es sich um den Fischmarkt handelt. Am Macellum rennen wir erst einmal vorbei ohne es zu sehen. Eine Eisdiele animiert zum Verweilen. Es gibt eine Hollywoodschaukel. Ein Obsthändler hat seine Ware zu präsentiert, das weder Ute noch ich wiederstehen können. Wir kaufen Kirschen und Äpfel, Aprikosen und Pflaumen. Orangen kaufen wir nicht, da wir sie direkt ernten könnten.

Am Macellum ist tote Hose, keine Besucher, das Tor verriegelt. Wie es aussieht, seit längerem schon. Wir machen ein paar Fotos. Die Schilder mit Erklärungen sind total vergilbt. Um 16 Uhr treten wir die Rückreise nach Baia Domizia an.

Mittwoch, 19.06.2019

Der Bericht für diesen Tag kommt von Ute. Mal sehen wann.

Genau jetzt:

Heute muss ein besonderer Tag sein – glaube mein Namenstag oder sowas ähnliches – evtl. der 46. (pardon, ein Zahlendreher), weil ich als erste aufstehe. Ich stehe auf und lucke rüber in Ines ihre Kemenate. Sie tut so, als ob sie noch schläft. Also gehe ich erstmal auf unsere Terrasse und genieße das allmorgendliche Gezeter des italienischen Ehepaares schräg gegenüber. Es klingt wie ein Libretto von Mozart, Verdi oder vielleicht sogar von Wagner seiner Walküre. Ihr Sopran und sein Bariton passen perfekt zusammen. Schade, dass ich es nicht verstehe. Ich genieße noch die schöne italienische Musik als plötzlich hinter mir etwas zu Boden fällt und gleichzeitig ein bekanntes englisches Lied erklingt, dass einige  Stunden später auch  Antje in mein Telefon singt. Ratet mal welches!

Nach dieser Zeremonie wandern wir voller Optimismus zum Frühstücksbüfett – wie immer – um dann doch wie immer enttäuscht feststellen zu müssen, dass es so aussieht wie die beiden Tage zuvor. Also 2 Platten mit runden Scheiben drauf, die sich nur farblich (nicht geschmacklich) als unterschiedlich erkennen lassen. Es könnte Wurst und Käse sein. Ich nehme mit eine Kelle einer dunklen Flüssigkeit aus einem der Eimer in der Hoffnung es könnte sich um Kaffee handeln, denn der einzige Kaffeespender ist sehr frequentiert. Ja, es kann Kaffee sein. Achso, hat Ines eigentlich schon erwähnt, dass wir beim ersten Besuch dieser gastronomischen Einrichtung dachten wir sind irgendwo falsch abgebogen und versehentlich in Russland gelandet. Das laute Rufen und Geplapper erinnert stark an eine Sprache, die zu lernen ich in der Schule gehasst habe. Die Roboter, die hier die Tische abräumen sind dagegen stumm. Ihre Gesichter sind auf Fremdschämen eingestellt.

Nach dem Frühstück wird’s Zeit zum Packen und ab mit Cinqui nach Neapel. Die Fahrt beginnt ganz angenehm, soll es aber ganz und gar nicht werden. Je näher wir der großen Stadt kommen, umso chaotischer wird’s. Ich bin froh, dass ich nicht fahren muss, aber Ines packt das souverän; nicht ganz ohne Hilfe unseres netten Herren in meinem Handy mit dem Namen „Here“. Zugegeben, er kennt sich hier auch nicht besonders gut aus. Entweder ist er ein notorischer Lügner oder er spielt uns gerne mal einen Streich. Nach vielem Hin und Her – das genauer zu beschreiben könnte jetzt Tage dauern – erreichen wir dann gegen mittag unser Ziel in der Via Milano 13, um die Ecke auch einen Parkplatz gleich neben einer Parkuhr. Gepäck ausladen und ab zum Hotel.

Es heißt “ Poker“, ein vielversprechender Name. Die Rezeption versteckt sich im oberen Stockwerk. Ines geht voraus um uns anzumelden. Sie bekommt den Schlüssel Nr.13. Das passt ja gut. Wir erklimmen die ungefähr 20 Stufen zu unserem Zimmer. Auf der Letzten kommt mir ein netter Kofferträger entgegen und will mir helfen, doch ich winke dankend ab. Ines sagt, ich soll nicht so viel schreiben – sie ist gerade zum Einkaufen los, mit dem Fahrrad, glaub ich – aber es geht einfach nicht. Ich muss euch das Zimmer beschreiben. Ein heimisches Flair empfängt uns kuschelig. Gleich rechts gibt es eine Zieharmonikatür zum Badezimmer, die man mit etwas Geschick auch zum Öffnen bringen kann (Ines ist später immer ziemlich grob mit ihr umgesprungen). Gut, denn ich muss da sofort rein. Zum Schließen hab ich keine Zeit mehr, da klopft es auch schon. Eine Frau möchte meinen Ausweis haben. Als ich fertig bin klopft es erneut. Die Frau bringt meinen Ausweis zurück. Jetzt hab ich Zeit und Muße, den Rest des Zimmers in Augenschein zu nehmen. Wir haben rechts und links unseres großen Bettes zwei wunderschön verschnörkelte und verzierte Lampen wohl aus einer Zeit, als es noch keine Elektrizität gab.  Ines ihre leuchtet leider nicht aber meine flackert gemütlich wie eine Kerze. Ich bekomme die linke Seite des Bettes und sinke auch gleich erschöpft in die für meinen Körper vorgesehene Aussparung. Das ist ja praktisch denke ich gerade, aber komm ich hier auch wieder raus. Ines geht erstmal zum Smoken auf den Balkon. Er ist typisch neapolitanisch mit schmiedeeisernem Gitter. Zur linken Seite haben wir einen wunderschönen Ausblick auf den Piazza Garibaldi mit den zur Zeit vorherrschenden Baugerüsten und rechter Seite leuchtet in der Ferne auch etwas. So, nun müssen wir aber schon los, denn unsere Parkzeit läuft ab.

Zwei Carabinieri beaufsichtigen netterweise unseren Cinqui, doch sie wirken etwas enttäuscht als wir eine Minute vor Ablaufzeit einsteigen und uns davonmachen. Sie tun mir richtig leid aber wir müssen los und Cinqui zum Flughafen bringen. Chaos, Gestank, Lärm, Vordrängelei, das kennen wir ja schon. Aber plötzlich springt wie aus dem Nichts ein junger Mann auf die Straße und beschmiert unsere Frontscheibe. Ines sieht nun gar nichts mehr doch er macht sie auch gleich danach wieder sauber – war wohl nötig dachte er. Wir danken ihm lächelnd und fahren nun mit etwas klarerer Sicht weiter. Dabei fällt mir ein, wir hatten schon mal so einen Fall auf der Straße nach Pozzuoli. Eine alte Frau im Saree läuft geschickt vor unser Auto und bückt sich runter zu den Scheinwerfern. Was macht sie da? Malt sie uns die Lampen an? Wir können nur kreisende Bewegungen sehen. Dann geht sie zu Ines auf die Fahrerseite, sagt irgendetwas und hält dabei die Hand auf. Ihr Gespür für Menschen mit einem guten Herzen hat sie die richtige Seite wählen lassen, denn Ines gibt ihr einen Euro. Wir erreichen mit Müh und Not den Flughafen und sogar die richtige Autovermietung. Jetzt sind wir unseren mutigen kleinen Cinqui für immer los. Etwas enttäuscht weil ich mich nicht von ihm verabschieden konnte suchen wir den Shuttle zurück zu Piazza Garibaldi.

Nochmal frisch machen im Hotel, und dann, was zu beißen wäre nicht schlecht. Das üppige Frühstück war das Letzte. Aber gar nicht so einfach um diese Zeit. Zu früh. Die Restaurants sind noch nicht auf Abendmahl vorbereitet. Ich bleibe an einem Bäckerstand stehen, weil ich ein leckeres Schweineohr erspäht habe, doch Ines zieht mich gnadenlos weiter. Sie weiß nicht, dass ich nur noch ein paar Euronen hab. Doch dann verkündet sie die frohe Botschaft, dass sie mich zur Feier des Tages einladen will. Der Tag ist gerettet. Wir laufen noch bis zum Hafen und wieder zurück und erkundigen uns in einem Best Western Hotel nach einem Restaurant. Der Concierge schickt uns in eins ganz in der Nähe. Es ist wohl das beste am Platze, denn die Preise sind wie bei uns; nur die Ober sind hochnäsiger, jedenfalls die älteren. Wir bestellen jeweils ein primi ohne seci, dafür aber 3 Desserts. Das verunsichert sie ein wenig. Gut so. Ines muss dafür 42 Euronen abgeben. Auch dieser Tag neigt sich dem Ende zu. Es ist schon dunkel als wir das Lokal verlassen und zum Poker zurückfinden. Alt werden wir heute nicht mehr. Duschen und ab in die Kuhle. Die Balkontür lassen wir lieber nicht auf. Es ist zu einfach darauf zu gelangen. Von Außen meine ich natürlich. Das war’s mit dem 19.06.2019. Das Frühstück am nächsten Morgen wird uns ans Bett gebracht, aber das erklärt  Ines näher, denn jetzt ist sie wieder dran.

Donnerstag, 20.06.2019

Obwohl wir uns Zimmer, Bett und sogar die Decke teilen mussten, haben wir ein bisschen schlafen können. Um nicht nach einem Bäcker oder ähnlichem suchen zu müssen, ist die Unterkunft mit Frühstück gebucht. Nun, es handelt sich um ein 2-Sterne Hotel, doch wir machen uns frohen Mutes auf zum Tresen. Dort steht einer, zuständig für Kaffee, Cappucino oder Latte Macchiato, neben ihm ein Tablett mit einem Brötchen und einem Croissant. Bevor wir an der Reihe sind, kommt ein anderer Gast und erhält das Croissant. Nun liegt nur noch ein Brötchen da. Müssen wir uns das teilen? Da kommt ein Angestellter und nimmt auch das Brötchen weg. Und wir?

Wir sind an der Reihe, bestellen 2 Latte Macchiato. Der wird richtig so zubereitet, wie sich das gehört: erst warme, aufgeschäumte Milch, dazu ein Espresso. Zu unserer Überraschung werden zwei Croissants aus einem kleinen Öfchen geholt; sie sind sogar mit Pudding gefüllt. In diesem Raum gibt es noch eine Couch, aber keinen Tisch. An dem Tischchen sitzt schon jemand, also wo können wir noch hin? Natürlich ins Zimmer. Ute nimmt ihr Glas und verschüttet prompt einen Teil des Inhalts. Der Barmann sieht unsere Not, greift nach dem einzigen Tablett, wischt die Krümel runter und stellt unsere Frühstücksutensilien darauf. Ein anderer Angestelltes schnappt sich das Tablett und trägt es zu unserem Zimmer. Da es sonst keinen Platz weiter gibt, stellt er es auf das Bett. Uns so haben wir – ganz luxoriös – Frühstück im Bett.

Heute ist der Tag des Abschieds, unser Flug geht allerdings erst am späten Nachmittag. Es ist heiß und stickig in den Straßen Neapels, also versuchen wir so lange wie möglich im Hotel zu bleiben. Auscheckzeit ist elf Uhr, und so klopft pünktlich an die Tür. Ich versuche, noch ein halbe Stunde rauszuschinden, doch wir werden höflich aber bestimmt aufgefordert, das Zimmer zu räumen.

Am Vortag hatte uns der Busfahrer des Fluhafen-Shuttle gesagt, wo sich die Haltestelle befindet. Als wir dort stehen, klärt uns ein Taxifahrer auf, wo der Bus tatsächlich hält (Das war sehr nett von ihm, denn dadurch hat er ja 2 potentielle Kunden verloren).

Wir sind irgendwann zwischen zwölf und ein Uhr am Fluhafen und setzen uns in eins der Bistro. Der Service ist so langsam, dass wir den größten Teil des Nachmittags dort verbringen. Später wechseln wir noch zu Burger King, weil es ein Außenterasse gibt. Und auch draußen halten wir uns eine Weile aus, bevor wir unsere Koffer abgeben können. Dort erfahren wir, dass unsere Flug knapp eine Stunde später geht.

Eigentlich wollte ich am Flughafen noch nach Mitbringseln schauen, aber dort ist nichts. Es gibt nur Läden mit teurer italienische Mode und ähnlichem. Wir warten also einfach ab, bis wir einsteigen dürfen. Viel später als gedacht sind wir dann wieder in Berlin.