Barcelona im Mrz 2015

Freitag, 13. März 2015

Wer hätte das gedacht – so schnell geht das manchmal – am Mittwoch entschieden, am Freitag schon am Ziel.  Ich bin in Barcelona. Abfertigung in Tegel und Flug mit Germanwings verlaufen reibungslos und da ich meinen kleinen Koffer mit in der Kabine habe, kann ich mich zügig auf den Weg in die Stadt machen (per Bus). Der Bus bringt mich direkt zum Placa Catalunya, dem Verkehrsknotenpunkt schlechthin, von wo aus man so gut wie überall hinkommt, wenn man denn weiß wohin man will. Ich weiß es nicht und weil für das Hotel eine gute Lage angegeben ist, denke ich, es ist nicht so weit vom Zentrum entfernt und mache mich zu Fuß auf den Weg. Die Sonne ist hinter einer dünnen Wolkenschicht zu erahnen und die Teperatur angenehm. Erstmal geht es die La Rambla hinunter, die berühmte Bummel- und Shopping-Meile Barcelonas. Interessant, aber die völlig falsche Richtung, also kehrt marsch. Richtung Sagrada Familia muss richtig sein. Dieses famose Bauwerk ist lt. Hotelbeschreibung in nur 10 Gehminuten zu erreichen. Als ich am Arc de Triomf ankomme – rein zufällig – habe ich ca. eineinhalb Stunden Fußmarsch hinter mir. Ich versuche noch den Busplan zu verstehen, um dann aber entnervt, müde und hungrig einen Taxifahrer in seiner Pause zu stören. Bis zum Hotel ist es wirklich nicht mehr weit und das Taxi dadurch billig. Nach dem Einchecken im Hotel und kurzer Verschnaufpause startet der zweite Erkundungsgang. Die Sagrada Familia, eine neugotische Kathedrale, ist tatsächlich nur wenige Minuten entfernt und als ich davor stehe bin ich beeindruckt. Dieser Traum Gaudi’s ist noch immer im Bau und das seit 1883 und jetzt weiß ich warum. Was hier ein geniales Hirn erdacht hat, ist unglaublich.

Ich wundere mich, dass noch immer die Sonne scheint. Gilt hier eine andere Zeit? Barcelona liegt viel weiter westlich als Berlin ist aber die gleiche Zeitzone. Ich wandere zurück Richtung Hotel, um mir den Weg einzuprägen und laufe dann zu einem anderen markanten Bauwerk dieser Gegend. Am Placa de les Glories Catalanes steht der Torre Agbar, ein bei Nacht erleuchteter zigarrenförmiger Turm. Hier gibt es eine Metrostation (Glories – sie wird die nächsten Tage mein Ausgangspunkt sein.), einen riesigen Supermarkt, diverse Kaufhäuser wie z. B. C&A und H&M und eine sehenswerte Markthalle – teils Flohmarkt, teils Neuware – deren Dachkonstruktion aus verschieden angeordneten Spiegeln besteht, die ein eigentümliches Bild der darunter liegenden Verkaufsstände bietet. Auf dem Rückweg zum Hotel entdecke ich eine weitere Metrostation (Marina) und ein Fußballfeld direkt unter einer Brücke. Eigentlich vermutet man dort entweder Wasser, Schienen oder zumindest eine Straße. Unter dieser Brücke gibt es neben dem Bolzplatz einen Park mit Hundeauslauf und einen Kinderspielplatz. Es gibt viele Hunde hier. Alle, die nicht Rucksack tragen (also Touristen sind), haben einen Hund an der Leine. Ich bin trotzdem bisher in keine Hinterlassenschaft der Vierbeiner getreten. In der Markthalle mit dem Spiegeldach ist ein interessant eingerichtetes Restaurant. Ich gönne mir Spaghetti Bolognese und zwei Bier. Völlig erschöpft erreiche ich wieder das Hotel und begebe mich zur Ruhe.

Samstag, 14. März 2015

Mein Zimmer 512 geht in Richtung Hof und es wird nicht wirklich hell. Ich schlafe lange. Frühstück ist nicht inklusive, also kein Grund zur Eile. Gegen halb 10 Uhr verlasse ich das Hotel und traue meinen Augen nicht – es regnet. Damit hatte ich nicht gerechnet aber gut, nicht zu ändern. Ich entscheide mich für die Metro, kaufe einen Einzelfahrschein – nachdem ich feststellen musste, dass EC Karten an den Ticket-Automaten nicht akzeptiert werden – und fahre mit der L1 zum Placa Catalunya um mich dort bei der Deutschen Bank mit Geld zu versorgen. Die Sonne kommt raus und bevor sie wieder verschwindet, schaffe ich meinen Frühstückskaffee in einem der vielen Cafes. Es ist kühl und ungemütlich, da bietet sich eine Rundfahrt mit einem Touristenbus mit Hop on/Hop off Option an. Ich buche gleich für 2 Tage. Das ist günstiger und ein Tag reicht eh nicht für alles. Diverse Vergünstigungen auf Eintritts- bzw. Ticketpreise sind mit dabei. Es gibt eine Süd- (rote) und eine Nord- (blaue) Linie; ein Audio Guide ist ebenfalls inklusive und beschreibt, was zu sehen ist. Die Architektur Barcelonas ist wirklich erstaunlich. Ich nehme die rote Linie. Das Sitzen auf dem Oberdeck ist wegen des Wetters leider nicht möglich und der Bus kommt aufgrund der hohen Verkehrsdichte anfangs nur langsam voran. Am Montjuic überlege ich kurz auszusteigen – die Aussicht ist atemberaubend – entscheide mich aber dagegen. Am Olympia-Gelände vorbei und nach einer ausgiebigen Tour durch La Barceloneta, dem alten Fischer-/Hafenviertel, entstanden durch Sandablagerungen an einer 1640 erbauten Mole, geht es zurück zum Pl. Catalunya. Jetzt scheint wieder die Sonne und ich gönne mir einen kleinem Imbiss an einem der Stände. Es ist früher Nachmittag und ich möchte den Park Güell sehen. Die blaue Linie fährt dorthin. Jetzt kann ich oben sitzen. Da der Audio Guide durch den Regen nicht funktioniert verpasse ich die Station und mache die ganze Runde mit. Sie ist kürzer als die rote und führt durch die nördlich der Av. Diagonal liegenden Teile der Stadt, vorbei auch am Stadion des berühmten FC Barcelona. Als die Runde erneut beginnt sehe ich schon die dunklen Wolken von den Bergen ankommen und bald fängt es auch wieder an zu regnen. Ich steige trotzdem am Park Güell aus und erklimme die steile Straße. Ich habe ja einen Regenschirm. Oben angekommen sind kaum Besucher da. Der Park ist offen, es gibt keinerlei Absperrungen. Der Eintritt ist frei und so erlebe ich Gaudi bei strömendem Regen. Eine nächtliche Busfahrt bringt mich zurück zum Pl. Catalunya. An einem Gebäude ist ein riesiges Thermometer angebracht. Es zeigt 10 °C; normal zu dieser Jahreszeit sind 15 – 20 °C. Noch ein schnelles Abendessen bei KFC und heim gehts. Ich bin total durchgefroren.

Sonntag, 15. März 2015

Das kleine Stückchen Himmel, das ich von meinem Fenster aus sehen kann, ist strahlend blau und wirklich, als ich gegen 10 Uhr aufbreche, begrüßt mich herrlichster Sonnenschein. So stelle ich mir das Wetter in einer Stadt am Mittelmeer vor. Schon am Vortag erfuhr ich von dem heute stattfindenden Barcelona-Marathon und wirklich, nahe der Sagrada Familia kreuzen die Läufer meinen Weg. Es müssen zigtausende sein. An einem Imbiss dort hole ich mir Kaffee und schaue ihnen zu.

http://barcelona.de/de/barcelona-marathon.html

Die Touristenbusse fahren aufgrund des Marathons heute erst ab eins und ich entscheide mich zu einem Spaziergang. Unterwegs begegnen mir wieder die Läufer. Am Parc de la Ciutadelle zweige ich ab und gehe dort ein wenig spazieren. Es gibt nur wenige Besucher. Die Vegetation ist noch winterlich und der Bootsausleih geschlossen. Die Zitadelle gibt es schon seit 1869 nicht mehr. Weiter geht’s zum Arc de Triomf, dem Tor zur Weltausstellung von 1888. Ich folge den Läufern bis zur Pl. Catalunya und von dort den Les Rambles hinunter zum Hafen. Das in Touristenführern beschriebene bunte Treiben erwacht gerade erst. Trotzdem begegne ich Cäsar und Columbus. Der ausgestreckte Zeigefinger seiner rechten Hand soll einen halben Meter lang sein und er zeigt nicht in Richtung der neuen Welt. Auch hier verläuft die Marathon-Strecke. Zurück am Pl. Catalunya steige ich in den Bus der blauen Linie und fahre noch einmal zum Park Güell. (Umweg über eine Rolltreppe und einen Aussichtspunkt) Die Situation heute ist eine andere. Viele Leute tummeln sich hier und es wird Eintritt verlangt. Ich verzichte und fahre weiter zur Tramvia Blau, eine über 100 Jahre alte kleine Straßenbahn und nehme den Bus. Die Fahrt mit der Funicular hinauf zum Tibidabo ist ein Erlebnis und der Tibidabo selbst erst. Die Funicular bringt mich auch wieder hinunter, danach kaufe ich mir ein Sandwich und gehe durch einen kleinen Park den Rest des Berges zu Fuß. Langsam wird es Abend und kalt. Ich mache noch einmal eine Rundfahrt durchs nächtliche Barcelona und kehre dann ins Hotel zurück.

 

Montag, 16.03.2015

Erstes Ziel ist wieder der Pl. Catalunya mit der Geigerin – die Akustik ist wirklich gut hier und mehrere Musiker nutzen die Tunnel zu den verschiedenen Linien – für’s Frühstück und hier passiert es. Ein dreister Taschendieb kann sich trotz allgegenwärtiger Security unbemerkt an meinem Rucksack zu schaffen machen. Handy und alle Fotos von Freitag und Samstag sind für immer verloren aber glücklicherweise ist mein Portemonnaie noch da. Ich fahre mit der Metro-Linie L3 nach Paral-lel, wo eine Funicular zur Seilbahnstation rauf zum Montjuic fahren soll. Leider ist sie nicht in Betrieb. Ein Ersatzbus bringt mich zum Startpunkt der Teleferic. Die Gondeln sind freihängend und schaukeln im Wind ganz schön. Am Castell angekommen, bin ich von der Stille dort oben angenehm angetan. Was für ein Kontrast zur lauten Geschäftigkeit der Stadt. Die Sonne und die Ruhe bei einem ausgedehnten Spaziergang genießend, versuche ich, mir nicht die Laune durch den Verlust verderben zu lassen aber Gedanken an ‚hätte, könnte, wäre, wenn‘ machen das schwer. Ich komme an Freunden des Sports des Bogenschießens vorbei. Von der Rückseite des Castells kann man den gesamten Hafen überblicken. Einige Leute halten hier Siesta. Ich umrunde das Castrell vollständig. Etwas unterhalb finde ich einen Imbiss-Stand mit – oh Wunder – Toiletten. Die Teleferic bringt mich mit einem ungeplanten Stop in luftiger Höhe doch wieder sicher hinunter. Vorbei am Museu Nacional d’Art (der Brunnen ist nur nachts in Betrieb) und dem Pl. Espanya mit seinen 2 venetianischen Türmen und der ehemaligen Stierkampfarena kehre ich in die Stadt zurück.

Dienstag, 17.03.2015

Ich stehe auf als die Putzfrau klopft. Zum Frühstück gibt es diesmal Espresso da man nicht wirklich versteht, was ich möchte in dem kleinen Cafe an einer der typischen abgeschnittenen Straßenecken.

Mein heutiges Tagesziel ist die Altstadt mit seinen schmalen Gassen und kleinen Plätzen. Mein Weg führt mich wieder durch den Park Ciutadella, vorbei an großen alten Gewächshäusern und stehe plötzlich vor einem Bahnhof (Franca), der mich an eine kleinere Version des Leipziger Hauptbahnhofs erinnert. Ganz in der Nähe liegt El Born Centre Cultural, das einst der größte Markt Barcelonas war. Heute ist es ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Ruinen der mittelalterlichen Stadt. Gegenüber ist offenbar eine Partymeile, wo die Anwohner nachts keinen Schlaf bekommen. Ich schlendere durch die Altstadt und besichtige die Kathedrale wo ein Saxophonspieler für gute Laune sorgt. Der Strand ist nicht weit entfernt. Ein paar Mutige nutzen die Wellen zum Surfen, andere genießen nur die Sonne. Es ist fast schon so warm wie im Sommer. Bevor ich zum Packen ins Hotel zurückkehre lasse ich mir – ich bin schließlich in Spanien – eine Paella schmecken.

Im Internet habe ich eine Gruppe gefunden, die sich dienstags zum Deutschsprechen trifft. Ich finde das Lokal auf Anhieb, nur um festzustellen, dass sie sich nur jeden 2. Dienstag treffen. Heute ist leider deutschfrei.

Mittwoch, 18.03.2015

Der Weckdienst des Hotels funktioniert  super und weil ich mit dem öffentlichen Nahverkehr inzwischen sehr gut zurechtkomme, klappt die Rückkehr zum Flughafen ohne Probleme. Nach einem ereignislosen Flug bin ich gegen 15:00 Uhr wieder zu Hause.

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4 Antworten zu Barcelona im Mrz 2015

  1. Jule schreibt:

    Vielen Dank für diesen tollen Reisebericht! Ich würde auch gerne mal so einen spontanen Städtetrip machen! (Aber leider bekomme ich nicht so kurzfristig Urlaub.) Durch deine Schilderungen kommt mir gleich nochmal der Barcelona-Trip mit Papa vor ein paar Jahren in Erinnerung 🙂 Am besten hat mir der Tibidabo mit dem Vergnügungspark und der Kirche gefallen, einfach einzigartig!

    • teddy61 schreibt:

      Danke, das Dir der Bericht gefällt. Der Urlaub war gar nicht spontan, nur die Reise. Der Tibidabo ist wirklich etwas besonderes, so hoch oben über der Stadt.

  2. paulalbert61 schreibt:

    Hallo Schwester, haben sie Dir etwa das Nokia-Smartphone geklaut? Ansonsten schöner Bericht.

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