Büsum im August 2018

Montag, 6. August 2018

Der Wunsch bestand schon seit Jahren; in diesem wird er endlich erfüllt. Es geht an die Nordsee, genauer: nach Nordfriesland, nach Büsum.

Ein Wecker ist gar nicht notwendig, wir wachen auch so rechtzeitig gegen 8 Uhr auf. Es wird gemütlich gefrühstückt mit aufgebackenen Brötchen und gutem, heißem Kaffee und Ei. Für unterwegs machen wir auch etwas zurecht und uns fertig. Abfahrt ist für 10 Uhr geplant.

Als wir alles gepackt und verstaut haben, ist es halb elf. Wir halten noch bei Norma wegen der schicken Barfußschuhe und bei MediMax wegen einer Halterung für das Navi (es gibt leider keines). Jetzt noch Tanken und dann ohne Rast, ohne Ruh auf nach Büsuh, äh Büsum. Inzwischen ist es fast zwölf.

Die ersten 70 km sind am entspanntesten, denn diese Strecke kennt Antje bereits, ab da befährt sie Neuland und erkennt, dass die Straßen dort auch nicht anders sind.

Und so fahren wir und fahren (die Autobahnen und Landstraßen sind angenehm leer) und während wir so fahren, wundern wir uns: die Reichweite der Tankfüllung wird immer größer. Waren es in Stralsund nur 330 km (das hätte nicht mal bis zum Ziel gereicht), schaukelt sich die Anzeige hoch bis auf einen Wert von 730 km; und das, obwohl wir schon 150 km gefahren sind.Ich wünsche mir auch so ein Auto und Antje weiß plötzlich wie ihr Renner heißen soll: Blaues Wunder. An einem Rastplatz gönnen wir uns einen Kaffee und Antje Entspannung für Hände und Füße.

Wenige Minuten nach 17 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft. Wir werden freudig begrüßt. Unsere Vermieterin ist eine ältere, ziemlich korpulente Dame, die an Tan‘ Thea erinnert. Sie erzählt uns noch einiges, kassiert noch mal 30 € Kurtaxe und übergibt uns dann die Schlüssel.

Die Ferienwohnung ist hübsch, hat ein großes Zimmer mit integrierter Küche, ein kleines Schlafzimmer sowie ein Bad mit Dusche. Wir richten uns ein, Antje telefoniert und Tan‘ Thea bringt noch Handtücher. Wir müssen noch einkaufen; über einen Umweg (um zu wissen, wo der Bäcker ist) erreichen wir einen Penny und decken uns mit dem nötigsten ein. Nachdem wir alles verstaut haben, laufen wir nochmal los – Richtung Wasser – um den Sonnenuntergang zu sehen. Unterwegs holen wir uns als Abendbrot ein Fischbrötchen und Radler aus blauen Flaschen. Alkoholfrei, aber das ist egal.

Der Strand hinterm Deich entpuppt sich als Wiese mit Strandkörben und Steinen. Über Treppen gelangt man ins Wasser, in dem ein älterer Mann echt Spaß hat. Er kann gar nicht aufhören zu planschen. Wir gehen ein bisschen spazieren bevor wir uns auf einer Bank niederlassen, um der untergehenden Sonne zuzuschauen. Leider sind am Horizont Wolken, und wir sehen sie nicht ins Meer tauchen. Als die Sonne dann weg ist, wird es kühl. Wir machen uns auf den Heimweg, wo es noch mehr Radler sowie einen kurzen Kampf mit Rechner, WLAN und dem Schreiben gibt. Antje telefoniert noch mit Anne, dann fallen wir müde in unsere Betten.

Dienstag, 7. August 2018

Moin! Es ist zu warm im Zimmer, ich stehe auf. Antje schaut auf die Uhr und sagt noch einmal Gute Nacht. Es ist 6:30 Uhr. Die Wetter-App zeigt 15°C Außentemperatur.

Eine Banane gibt mir Kraft für den Gang zum Bäcker um Brötchen zu holen. Das kostet mich eine halbe Stunde. Als ich danach die Tür öffne, kommt mir Kaffeeduft entgegen und der Tisch ist gedeckt. Das erste Frühstück ist lecker. Wir haben Zeit und genießen es.

Unser erster Ausflug führt uns zur Familienlagune Perlebucht im Westen Büsums. Ein Blick über den Deich zeigt uns, auch jetzt steht das Wasser hoch. Es gibt einen kleinen Sandstrand zwischen Festland und Wat’n Insel, eine Surf- und Kiteschule sowie diverse Imbissläden. Am Infostand erfahren wir, wo der Startpunkt für Wattwandertouren ist. Noch ist allerdings vom Watt nichts zu sehen. Wir haben noch 2 1/2 Stunden bis wir ins Watt geführt werden.

Mit der kleinen Bahn, die hier den Linienverkehr des öffentlichen NV übernimmt, fahren wir zum Südstrand, bummeln durch Geschäfte, gönnen uns ein dänisches Softeis mit Schokohaube, kaufen für Antje Hose und eine Kopfbedeckung und holen noch Bargeld.

Es ist heiß. Zurück an der Lagune trudeln am Treffpunkt für die Wattwanderung immer mehr Leute ein, viele mit Kindern. Pünktlich halb 12 geht’s los. Das Wasser hat sich jetzt weit zurückgezogen und Tonie und Bodo, unsere Führer, bringen uns das Watt mit seinen Besonderheiten näher und ihre folgsamen Schüler auf den glitschigen Meeresboden. Auf Anhieb finden sie Willy, den Wattwurm und anderes Getier, das im Boden lebt. Herzmuscheln z. B. sind unter hellgrauen Flecken im sonst grünlich-braunen Matsch (der hauptsächlich aus Kieselalgen besteht) versteckt. In kleinen Wasserlachen tummeln sich winzige Fischlein. Die ersten (toten) Krabben tauchen auf. An der Wasserkante baut Bodo seinen Netzschieber zusammen und stürzt sich in die Fluten. Er kommt nach ca. 10 min mit vielleicht 10 Krabben und zwei, drei handvoll Garnelen im Netz zurück. Wir bekommen erklärt, wie man männliche und weibliche Krabben unterscheidet und wie eine schwangere Garnele aussieht.

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Nach 2 Stunden in der prallen Sonne geht es zurück auf’s Festland. Eine Bank im Schatten, etwas zu essen und zu trinken sind jetzt ganz wichtig. Wir bleiben eine Weile sitzen bevor wir uns auf den Heimweg machen. Wieder durch die heiße Sonne. Im Möwennest (so heißt unser Appartment) duschen wir, ruhen uns aus, trinken Käffchen.

Nach einem Stüllchen als Abendessen ziehen wir wieder los. Am Hauptstrand ist ein Open Air Konzert mit 3 Büsumer Jungs. Wir holen uns jeder ein Bier und machen es uns auf einer Bank bequem. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang. Auch heute sind wieder Wolken am Horizont, und wir sehen die Sonne nicht ins Meer ditschen. Gegen 23 Uhr gehen wir schlafen. Es ist noch immer sehr warm.

Mittwoch, 8. August 2018 – Helgoland

Um 7 Uhr heißt es aufstehen. Die Luft hat sich im Laufe der Nacht auf 22°C abgekühlt. Zum Frühstück gibt es Müsli für Antje und Toasties für mich. Wir machen uns Stullen für unterwegs. um 8:39 Uhr fährt der Schiffszubringer (auch so eine kleine Bahn), um uns zur MS „Funny Girl“ zu bringen. Einer kurzer Stop noch zum Tickets kaufen, dann sind wir am Schiff, welches schon gut gefüllt ist. Wir finden trotzdem noch einen guten Platz auf dem Hauptdeck, leider mit Abgasbedampfung, warm und stinkig.

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Antje wirkt etwas angespannt, kann die Fahrt nicht genießen. Ich schaue mir das Schiff an, doch es ist nicht groß, und ich bin schnell durch. Ein paar Regentropfen fallen vom Himmel. Wir holen unseren Schirm raus, doch nach 5 min ist es wieder vorbei. Ca. 45 min vor Ankunft kommt Helgoland in Sicht, einfach ein roter Felsen mit etwas Sand drum rum mitten im Meer. Der Hafen ist zu klein für richtige Schiffe und so müssen wir in kleine Fischerboote umsteigen. Schon 20 min vor dem Umsteigen stehen die Leute im Ausgang und blockieren alles. Als ob es dadurch schneller gehen würde. Unser Boot ist so voll, dass wir stehen müssen, kommen aber gut an Land.

Dort erwarten uns erstmal jede Menge Duty Free Shops. Wir gehen weiter. Versorgt mit einem Eis machen wir uns an den Aufstieg, die Treppe hoch zum Oberland (auf den roten Felsen). Es gibt auch einen Fahrstuhl, aber dort steht eine lange Schlange an. So, wo nun lang? Google fragen, aber der fühlt sich verarscht. Helgoland ist eine kleine Insel, also ist es egal. Wir gehen trotzdem erstmal falsch. Als wir von oben den Hafen sehen, wissen wir es. Also kehrt marsch, Richtung Lummenfelsen. Man kann dort den Vögeln ganz nah kommen, wenn man den Gestank und den kräftigen Wind aushält. Massen von Menschen sind unterwegs. Und dann sehen wir sie, die Lange Anna, diesen einzelnen Felsen, fast in Hüpfweite und auch voll mit Lummen, die ganz schön Rabbatz machen.

Wir beenden unseren Rundgang. Einmal rund um die Insel dauert weniger als eine Stunde. Bis uns die kleinen Boote zurück zum Schiff bringen, bummeln wir durch die Geschäfte, kaufen Parfüm und Zigaretten (zollfrei). Am Hafen packt Antje ihre Stulle aus, beißt einmal ab und … weg ist die Stulle; eine Horde Möwen haben sie ihr aus der Hand geschlagen. Es sind 3 oder 4 Halbstarke, die mit sich mit der einzelnen Teilen auf und davon mach.

Auf der Rückfahrt sitzen wir besser, holen Kaffee und teilen uns mein belegtes Brot. Es fängt wieder an zu regnen, diesmal stärker. Wir ziehen uns nach drinnen zurück, schauen uns Impressionen von Helgoland auf einem Monitor an.

Auf dem Weg nach Hause holen wir Dürüm Döner (türkische Pizza) und etwas zu trinken für das Abendbrot. Ich schreibe Urlaubsblog und Antje schaut fern. In dieser Nacht werden wir besser schlafen können. Es ist lange nicht so warm wie am Abend zuvor.

Donnerstag, 9. August 2018

Heute hole ich wieder frische Brötchen vom Bäcker. Zurück im Appartment ist der Frühstückstisch gedeckt, der Kaffee aufgebrüht, und der Duft ist herrlich.

Wir lassen es langsam angehen. Später spazieren wir zum Teddyhuus. Die Ausstellung ist leider noch geschlossen. Wir kaufen einige Lose und gewinnen doch tatsächlich jeder einen kleinen Bären. Antje ihrer ist rot-weiß kariert, meiner aus Holz. Nächstes Ziel ist die Bernsteinschleiferei – leider auch geschlossen. Am Hauptstrand kaufen wir ein Eis – obwohl es heute gar nicht so heiß ist – und bummeln dann die Hauptgeschäftsstraße entlang für das eine oder andere Souvenier. Gegen halb 3 trennen wir uns am Rathaus. Antje möchte die Kirche und Deerberg erkunden, ich eine weitere – diesmal längere – Wattwanderung machen. Die Sonne scheint. Es ist angenehm warm.

Ich finde den Weg zum Treffpunkt auf Anhieb. Auch heute kommen nach und nach die Leute, allerdings nicht so viele Kinder. Ob die Wanderung wirklich stattfindet ist nicht sicher. Die Wetter-App zeigt Regengebiete und auch Gewitterzellen im Anmarsch. Doch Bodo ist zuversichtlich, dass alles an Büsum vorbeizieht, und so entledigen wir uns unserer Schuhe, wandern los. Die erzählten Geschichten sind ähnlich wie vor zwei Tagen. Auch hier heißt der ausgegrabene Wattwurm Willy. Es fängt an zu regnen und der Wind wird stärker. Wir wandern zwei Stunden über teils glitschigen, teils festen Meeresboden. Bei einer Priel geht Bode voran um zu testen ob der Boden nicht nachgibt und wir bis zum Bauch nass werden. Es gibt das OK, dass wir folgen können. Wenn es unter den Füßen weich wird, sollen wir schnell weiterlaufen um nicht einzusinken. Auf der anderen Seite geht es zügig weiter. Wir sehen viele tote Blumenkohl- und Kompassquallen, Einer aus der Gruppe findet eine fußgroße Auster, Größe 38. Seevögel machen sich über die diversen, jetzt frei liegenden Muscheln her. Wir laufen bis zum durch Bojen gekennzeichneten Fahrwasser. Ich lerne, es wird nicht ausgebaggert. Man nutzt eine natürliche Tiefwasserrinne, die sich aber von Jahr zu Jahr ändern kann. An einem breiten Priel mit Namen Scholl-Loch haben wir unser Ziel erreicht. Die Zeit des niedrigsten Wasserstandes ist bereits überschritten. Der Weg zurück an Land dauert etwa 1 1/2 Stunden.

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Dort angekommen und so 200 Meter gelaufen sehe ich den ersten Blitz am Himmel zucken. Wir haben das Watt keine Minute zu früh verlassen. Jetzt aber fix nach Hause. Ich sende Antje eine Nachricht, dass ich auf dem Weg bin. Ich habe die Tür gerade hinter mir geschlossen als das Unwetter mit voller Kraft lostobt. Die Bäume biegen sich im Sturm, Regen und Hagel peitschen auf die Erde. Antje hat Angst um ihr Auto. Wir schauen dem Wüten draußen eine Weile zu bis der Wind etwas nachlässt. Dann setzen wir uns an den Tisch für ein gemütliches Abendessen. Mit Schreiben und Fernseh gucken (Tatort) beenden wir den Tag. Mal sehen, wir der nächste wird.

Freitag, 10. August 2018

Jemand sagt meinen Namen. Antje ist heute vor auf und will Brötchen holen. Ich bin erstaunt, dass es schon so spät ist und klettere aus dem Bett. Heute muss ich den Frühstückstisch decken. Ich koche keine Eier; ich versaue das immer. Draußen liegen viele Blätter, Zweige und Äste auf der Straße. Der Sturm muss über Nacht noch ganz schön gewütet haben.

Halb elf machen wir uns auf den Weg. Wir wollen ins Phänomania, eine Ausstellung mit physikalischen Phänomenen zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren. Bei diesem Wetter genau das Richtige. Es ist windig und ab und zu fallen ein paar Tropfen. Die Ausstellung ist am Hafen. Wir kennen uns inzwischen in Büsum ganz gut aus und sind schnell dort. Im Phänomania haben wir Spaß, spielen, probieren aus, machen Fotos. Zwischendurch gönnen wir uns einen Kaffee zu den mitgebrachten Brötchen. Am Astronautentraining nehmen wir nicht teil; uns wird schon vom Zuschauen ganz düselig.

Am frühen Nachmittag – 3:00 Uhr – auf dem Weg nach Hause, schauen wir noch in der Bernsteinschleiferei vorbei. Doch es ist ziemlich voll, vor allem von Kindern. Wir scheuen nur eine kleine Weile zu, wie aus unscheinbaren Steinen warm glänzende (wie Honig) Schmuckstücke werden. In dem Laden sind neben Kostbarkeiten aus anderen Edelsteine wie Smaragd, Lapislazuli und Rubin besonders schöne und große Exemplare. Sogar eine ganze Weste aus Bernstein gibt es.

Bei Penny holen wir noch Brot für morgen und Kuchen und Eis für heute zum Kaffee. Antje legt sich dann ein bisschen auf’s Ohr während ich noch mal losziehe. Ich schlage den Weg nach Norden ein, biege dann nach Westen ab Richtung Wasser, schaue mir Reste des alten Deiches, der weit landeinwärts liegt und viel niedriger ist als der heutige. Bei einem Spaziergang auf diesem lasse ich mich ordentlich durchpusten, beobachte die Möwen, wie sie sich vom Wind tragen lassen. Einige Leute nutzen die kräftige Brise zum Drachen steigen.

Pünktlich um 19:00 Uhr hole ich Antje ab, und wir gehen zum Asiaten esse. Es gibt Buffet. Wie immer bei solchen Gelegenheiten braucht man danach einen ausgiebigen Verdauungsspaziergang. In der Fußgängerzone spielt ein junger Mann auf einem seltsam schlank geformten Cello. Es klingt schön und wir lauschen eine Zeit lang bevor wir noch einmal am Strand entlang wandern um Abschied zu nehmen. Es herrscht Ebbe. Langsam geht die Sonne unter über der Nordsee bei Büsum. Wir haben den kleinen Ort lieb gewonnen. Wer weiß, ob wir je wiederkommen. Es ist fast dunkel, als wir in unserer FeWo, unserem Möwennest, sind. Noch ein Bierchen und ein paar Worte ins Reisetagebuch, und der letzte Abend hier ist zu Ende.

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