Irland im Aug 2015

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Sonnabend, 15.08.2015

Der Flug mit AirLingus von Schönefeld nach Dublin verläuft ereignislos und gegen halb 12 bin ich dort. In Berlin ist es jetzt schon 0:30 Uhr. Der Bus in die Stadt fährt noch, die Tram nach Tallaght leider nicht mehr und ich muss ein Taxi nehmen. Der erste Mensch mit dem ich in Irland rede (der Taxifahrer) kommt eigentlich aus Sierra Leone. Das Hotel ist nicht schön aber Zimmer und Bad angenehm weiträumig. Ich bin hundemüde und gehe schlafen.

Sonntag, 16.08.2015

Als ich die Augen öffne, sehe ich schon durch die Vorhänge den strahlenden Sonnenschein. Mein Zimmer zeigt nach Osten und ich kann die Dubliner „Berge“ sehen. Weil Sonntag ist, gibt es ein gutes Frühstück mit Toast und Ei, schwarzem Pudding und viel Kaffee. Auf in die Stadt! Mit der Luas Red Line sind es ca. 40 Minuten bis zur Abby Street. Unterwegs lerne ich ein paar gälische Worte. Die Stationen sind zweisprachig beschriftet und werden auch zweisprachig angesagt. Über die O’Connell Street geht’s zum Fluss Liffey und ich finde auch gleich ein Tourist Office. Eigentlich will ich mich nur informieren. Durch die späte Buchung war von Deutschland aus nichts rechtes mehr zu finden. Den Gedanken ein Auto zu mieten gebe ich auf als mir ein Angebot auffällt: 3 Tagestouren zum Preis von 2 und es ist alles dabei, was ich sehen möchte. Nun muss ich das nur noch mit der guten Frau hinterm Tresen klarmachen. Ich spreche sie ganz artig mit meinem etwas gequälten Englisch an und bekomme angeboten doch deutsch mit ihr zu reden. Sie kommt aus Dortmund – . Die Buchung für die 3 Touren verläuft unproblematisch und sie erzählt mir noch von kostenlosen Walking Touren durch die Stadt und gibt mir ein paar Flyer und einen Stadtplan. Danach schlendere ich einfach am Fluss entlang, überquere die Ha’Penny Bridge – das Wetter ist super, sonnig aber nicht so heiß wie in Berlin – und da überall Wegweiser sind finde ich bald Dublin Castle mit seinen Sandsculpturen im Innenhof, das Rathaus und Christ Church (hier wird leider gebaut) sowie seltsame Gehwegplatten. Mir fällt auf, dass viele Häuser 3, höchsten 4 Stockwerke haben. Zurück am Castle kaufe ich eine Eintrittskarte inklusive Führung und gehe hinein. Deutsche Führungen gibt es leider keine aber überraschenderweise verstehe ich fast alles. Erste Station ist der Untergrund, wo man noch Reste der alten von den Wikingern erbauten Burg sehen kann. Sie haben Dublin gegründet und ihr auch den Namen verpasst (Duibhlinn = Schwarzer Pfuhl oder Teich). Wir arbeiten uns durch die Gebäude und damit durch die Geschichte. Unsere Führerin macht ihre Sache gut, eine gelungene Mischung aus Witz und Ernst. Über dem Eingang zur Chapel Royal hängt Jonathan Swift und ich höre, was er außer Gulliver’s Reisen noch so geschrieben hat. Hatte eine ziemlich scharfe Zunge, der Gute. Für eine Weile laufe ich noch alleine durch das Haus und finde die eine oder andere interessante Geschichte wie auch eine Ausstellung, die altes und neues Design zu verbinden versucht. Es ist schon 6 Uhr als ich das Castle wieder verlasse und nach einem kurzen Besuch der Saint Patrick’s Cathedral gönne ich mir irgendwo auf der Straße ein Blueberry Scone und einen Kaffee und fahre dann ins Hotel zurück. Nebenan ist ein Lidl (!) bei dem ich mich noch mit Cider zum Abend versorge. Im Hotel bestelle ich für den nächsten Tag Frühstück zum Mitnehmen, denn um rechtzeitig am Abfahrtspunkt des Busses zu sein, muss ich die erste Tram um kurz von 6 Uhr erwischen.

Montag, 17.08.2015 – Westen

Um dreiviertel 5 stehe ich nach einer schrecklichen Nacht mit vielleicht 3 Stunden Schlaf auf. Es war viel zu warm im Zimmer und irgendein Brummen hat mich nicht zur Ruhe kommen lassen. Im Zimmer darf man gottseidank Kaffee kochen. Der Himmel ist klar,  das Tageslicht lässt sich schon erahnen und ich höre Möwen schreien. Das Meer ist nicht weit. Am Tresen gibt’s die Frühstückstüte: ein Stück Kuchen, zwei kleine Stückchen Käse, Saft und eine Banane. Ich nehme die erste Tram und bin sogar etwas zu zeitig am Treffpunkt (Gresham Hotel) und hole mir in einem kleinen Laden gegenüber einen Cappucino für 1 €. Nach und nach trudeln Leute ein, die den gleichen Flyer in der Hand haben wie ich. Eine Mutter mit ihrer Tochter erzählt mir, dass sie am Vortag den Bus nicht gesehen hat und darum die Tour verpasst. Mich beschleichen leise Zweifel doch unbegründet, der Bus ist pünktlich,  wir finden alle einen Platz und los geht die Fahrt. Rob unser Reiseführer stellt sich und den Busfahrer Tony vor, beschreibt den Reiseverlauf und fragt rum, welche Nationen vertreten sind – überwiegend Italiener, einige Amerikaner und Deutsche, macht dann einen Witz über Briten und fragt hinterher, ob welche an Bord seien – keine dabei. Inzwischen haben wir die Stadt verlassen und fahren Richtung Westen. Die Landschaft ist genau wie auf Bildern von überwältigendem grün und erinnert mich an die Autobahnstrecke nahe Neubrandenburg im Mai nur dass hier Schafe und Kühe grasen. Rob erzählt Geschichten und ich höre von Paddy MacSo-and-So, der 10 Pints Guinness in weniger als 10 min trinken konnte und das sogar 2 mal oder wie es einer gierigen Fliege ergeht und noch vieles mehr. Ich kann mir leider nicht alles merken. Erste Station nach ca. 1,5 Stunden ist eine Raststätte namens Barack Obama Plaza (Barack Obama hat 2011 hier Verwandte besucht, denn auch er hat irische Wurzeln genauso wie ca. 80 Mio weitere Erdenbürger). Wir kriegen 15 min für Kaffee, Snack und andere wichtige Sachen und weiter geht’s über Limerick und Ennis zu den Cliffs of Moher. Mehr als 200 Meter ragen sie aus dem Atlantic der heute ruhig und zahm daliegt. Viele Filme wurden hier gedreht. Leider ist es ziemlich voll (manche können es nicht lassen über die Absperrung ganz nah an den Abgrund zu gehen) und das verscheucht die Vögel und auch die Wildziegen sind nirgends zu sehen. Wenn Zeit wäre, könnte man hier wunderbar wandern. Am Straßenrand spielt ein älterer Herr Akkordeon. Es fängt an zu regnen. Ich schaue mir noch das Besucherzentrum an, es ist gut gemacht, kaufe ein paar Postkarten für Sergio und muss dann auch schon zurück zum Bus, der uns mit einem kurzen Stop in der Mondlandschaft der Burren die Küste (Wild Atlantic Way) entlang nach Galway bringt. Bei mir macht sich langsam der fehlende Schlaf bemerkbar und ich empfinde die eigentlich hübsche kleine Stadt als viel zu überlaufen. Im Hafen sieht man, das es hier beträchtlichen Tidenhub gibt. Einige Boote liegen auf dem Trockenen. Ich kaufe etwas zu essen und zu trinken und mache es mir wie viele andere bis zur Abfahrt des Busses im Park bequem. Gegen 5:30 Uhr treten wir die Heimreise an und sind nach ruhiger, schläfriger Fahrt pünktlich um 8 wieder am Ausgangspunkt. An der Tramstation spielen ein paar Halbstarke Fussball auf den Gleisen und auf der Rückfahrt zum Hotel wird doch tatsächlich mein Fahrschein kontrolliert. Ich bin kaputt und denke, diese Nacht werde ich sicher schlafen wie ein Stein.

Dienstag, 18.08.2015 – Dublin

Ausgeruht nach einem diesmal erholsamen Schlaf stehe ich gegen halb neun auf. Ein einfaches Frühstück mit Toast, Käse und Ei rundet den Morgen ab und ich mache mich auf den Weg um rechtzeitig um 11 Uhr am Treffpunkt für die Walking Tour durch die Stadt zu sein. Doch dort ist niemand zu sehen, keine Gruppe, und keiner sieht nach Reiseführer aus (am gelben Regenschirm zu erkennen). Im nahen Tourist Office frage ich nach und erfahre, meine Info war falsch. Jetzt ist es natürlich zu spät. Um die Ecke finde ich ein Irish Whiskey Museum aber so früh am Tag schon Whiskey trinken? Das Areal des Trinity College ist nicht weit und vielleicht kann ich mich dort einer Gruppe anschließen. Der Innenhof rund um den großen Glockenturm ist voll von Menschen, ich stelle mich einfach dazu und lausche. Oscar Wilde hat eine Weile hier studiert und viele andere bekannte Leute. Ich höre von der berühmeten Bibliothek und dem Book of Kells. Leider kann ich bei dieser Gruppe nicht bleiben, es ist eine reine Trinity College-Führung mit Eintrittskarte. Ich laufe weiter und eine bekannte Stimme dringt an mein Ohr – Rob, unser Reiseführer vom Tag zuvor. Man lädt mich freundlich zum Mitkommen ein. Ich erfahre von einem Musikgeschäft wo man die Instrumente ausprobieren kann und wo man den besten irischen Kaffee bekommt, dass mit Temple Bar nicht nur der Pub sondern der ganze Bezirk gemeint ist, dass die Ha’Penny Bridge vom Titanic-Erbauer restauriert wurde (also Vorsicht beim Überqueren) und warum sie so heißt, dass es wieder in ist gälisch zu lernen (die Kinder finden es toll, wenn ihre Eltern sie nicht verstehen),  dass Religion nicht mehr so wichtig ist, dass … . Die Tour endet um 2 an der Saint Patrick’s Cathedral. Ich drücke Rob etwas Trinkgeld in die Hand, frage nach dem Weg zum Guinness Storehouse und marschiere los. An einem wie ein Mietshaus aussehenden Gebäude mache ich Picknick und lasse mir Nudelsalat und Eistee schmecken. Der Eintrittspreis zum Storehouse ist ganz schön gepfeffert doch ein Pint Guinness ist inklusive und auch ein Audioguide. Das relativiert das Ganze. Auf dem Weg durch das Gebäude ist einiges zu lernen über die Geschichte der Brauerei und des Bieres, die Kunst seiner Herstellung und warum es so gut ist. Man kann die einzelnen Zutaten erschnüffeln und probieren (jede für sich eher ekelig in Geruch und Geschmack außer natürlich dem Wasser, das für das Original aus den Wicklow Mountains kommt). Man kann lernen wie es richtig gezapft wird und wie man es richtig genießt, was ich am Ende in der Gravity Bar mit einem tollen Blick über Dublin auch tue – Sláinte. Im Erdgeschoss durchstöbere ich noch den Souvenierladen und entscheide mich für ein Feuerzeug mit Flaschenöffner bevor ich mich weit nach 7 Uhr auf den Heimweg mache.

Mittwoch, 19.08.2015 – Norden

Heute steht wieder eine Bustour an und der Tag beginnt früh. An der Rezeption ist niemand als ich aufbreche, doch ich sehe meine Frühstückstüte und nehme sie einfach. Diesmal gibt es Apfel statt Banane. Ich muss die erste Tram kriegen. Am Sammelpunkt hole ich mir gegenüber wieder einen Cappucino und beobachte die langsam eintrudelnen Mitreisenden. In der Nähe streiten sich riesige Möwen um ein weggeworfenen Brötchen. Als der Bus eintrifft, traue ich meinen Augen kaum. Reiseführer ist schon wieder Rob. Wir begrüßen uns schon fast wie alte Bekannte und lachen über den Zufall. Auf geht’s in den Norden. Der Name Belfast hat einen seltsamen Beigeschmack. Es ist noch gar nicht so lange her. Wir machen noch einen kurzen Frühstücksstop bevor wir die Grenze passieren von der man nichts mehr sieht. Trotzdem ist sofort klar, das ist nicht mehr die Republik Irland. Das gälische ist von den Straßenschildern verschwunden und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind jetzt in Milen pro Stunde. Nachdem wir Holywood passiert haben treffen wir so gegen Mittag in Belfast ein. Ich habe mich für die Tour mit einem Black Taxi entschieden welches ich mir mit 3 Italienerinnen teile. Unser Fahrer heißt Billy und hat einen für meine Ohren ganz ungewohnten Akzent. Er erzählt uns, dass er katholisch ist, protestantische Freunde hat mit denen er zusammen Bier trinkt und feiert aber auch dass es Orte in Belfast gibt, wo es für ihn lebensgefährlich sein könnte. Wir besuchen ein kleines Museum zum Gedenken an jene, die für ihre Überzeugung ins Gefängnis gingen oder sogar starben. Er zeigt uns die Friedensmauer – auf der wir uns verewigen dürfen – und wie einige Bewohner ihre politische Einstellung ziemlich provokativ zur Schau stellen. Und die ganze Zeit über regnet es. Treffpunkt für alle ist dann die Austellung über die Titanic, die hier in den Jahren 1909 bis 12 gebaut wurde. Kürzlich sollen Touristen gefragt haben ob sie das echte Schiff hier besichtigen können. Wir verlassen die Stadt und fahren die Nordküste entlang zum Giant’s Causeway. Ein 15-minütiger Fußmarsch (es gibt auch ein Shuttle) bringt mich hinunter zum Wasser. Ich bin etwas enttäuscht; auf Fotos sieht das Ganze irgendwie imposanter aus. Ich klettere ein wenig in den Felsen herum, schieße ein paar Fotos und gehe zurück zum Bus. Es regnet – nicht sehr stark aber stetig. Weiter geht’s die Küste entlang, an einer Burgruine vorbei zur Carrick-A-Rede Rope Bridge, die ursprünglich von Lachsfischern gebaut wurde. Wir bekommen Tickets in die Hand gedrückt zum Überqueren. Diesmal ist es ein 20-minüter Fußweg, es gibt keine Alternative. Vor der Brücke steht eine Schlange, ich muss warten. Etwas oberhalb befindet sich ein Aussichtspunkt mit Sicht auf den Felsen, die Brücke und die 30 Meter darunter kreisenden Haie. Plötzlich fängt es an zu schütten. Hier gibt es keinerlei Schutz und großen Tropfen klatschen mir ins Gesicht. Ich trete den Rückweg an. Das Ticket zur Brückenüberquerung habe ich immer noch. Gut so – ich hatte schon vom Hinsehen weiche Knie. Vom Regen völlig durchweicht und frierend hole ich mir in dem Souvenier-/ Imbissladen einen Kaffee. Ich reiche einen 5 € Schein über die Theke und bin im ersten Moment verwirrt als die Verkäuferin fragt ob sie mir das Wechselgeld in Pfund geben kann bis mir wieder einfällt: ah, richtig, das hier ist nicht €-Land. Zurück quälen wir uns durch den Feierabendverkehr von Belfast, Rob erzählt Geschichten. Ich habe ihn gefragt woher er die alle hat. Das Buch heißt ‚A history of Ireland in 250 Episodes‘. Mal sehen, vielleicht fällt es mir irgendwo in die Hände. Kurz hinter der Grenze klart der Himmel auf und wir können die Landschaft genießen. Jetzt spielt im Bus Musik, es ist warm und ich schlafe ein.  Um halb neun sind wieder in Dublin. Meine Sachen sind immer noch nass und mir ist kalt und so sehe ich zu, so schnell wie möglich ins Hotel zu kommen. Dort lade ich noch schnell die Fotos hoch bevor ich ins Bett falle und sofort einschlafen. Ein heißes Bad tat sein übriges.

Donnerstag, 20.08.2015 – Dublin

Ich will eigentlich lange schlafen, werde aber schon halb 8 wach. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Was soll’s, ich stehe auf. Zum Frühstück hole ich mir heute Porridge; mit der reingeschnippelten Banane ist es richtig lecker. Gegen 11 Uhr bin ich in der Stadt, Ziel für heute ist der Phoenix Park; ich steige erstmal am National Museum aus und gehe hinein. Der Eintritt ist frei. Innen kommt man sich wie in einem Labyrinth vor, ich lande immer wieder in der Kriegsabteilung – nicht so meins. Teilweise sind Ausstellungstücke bequem am Computer zu anzuschauen mit Erklärung und Herkunft und auch die Osterproklamation  von 1916 ist hier zu sehen. Nach 1 1/2 Stunden habe ich genug und laufe Richtung Phoenix Park. Übrigens, die Briefkästen in Irland sind wirklich grün. Am Wellington Obelisk mache ich ausgiebig Pause und laufe dann einfach los. Hier fällt es mir wieder ganz besonders auf. Wo auch immer, alles ist so unglaublich sauber, ordentlich und gepflegt. Man sagt, der Dubliner Zoo ist ein Must-do doch ich lasse ihn links liegen, kaufe mir am Straßenrand ein Eis und gehe einfach geradeaus. Der Park ist riesig – die Residenzen des irischen Präsidenten (Áras an Uachtaráin) wie auch die des Botschafters der USA befinden sich hier – und mittendurch führt eine reichlich stark befahrene Straße. Am Besucherzentrum herrscht buntes Treiben; Kinder lassen Drachen steigen, einige machen hier Picknick. Es ist bewölkt aber warm und trocken. Einen schönen Garten gibt es wo alles mögliche angebaut wird. Die Blumen blühen und einiges an Obst und Gemüse ist reif; es riecht fantastisch. Das Besucherzentrum ist klein aber fein, ich will versuchen die dort beschriebenen Sachen zu finden und mache mich mit einem Plan bewaffnet durch den Hinteraufgang auf den Weg. Als ich nach ca. einer Stunde wieder am Eingang stehe merke ich, ich bin im Kreis gelaufen. Ich könnte die kleine Touristenbahn nehmen, entscheide mich aber für’s Laufen. Es ist 5 Uhr. Um 6 startet die Bier- und Whiskey an ‚The Spire‘. Wenn ich mich beeile schaffe ich es vielleicht. Ich bin 5 Minuten zu spät und keine Gruppe ist mehr zu sehen. In der Nähe hüpft ein als Leprechaun Verkleideter herum. Soll ich nach dem Gold am Ende des Regenbogens fragen, doch er verschwindet in der Menschenmenge. Der Duft von Asia Nudeln macht mich hungrig und so werden sie mein Abendessen. Der Verdauungsspaziergang bringt mich zur Jameston’s Destillery, die natürlich schon geschlossen ist und so fahre ich zurück zum Hotel, versorge mich noch im Lidl mit etwas zu trinken und gehe früh schlafen. Morgen wird wieder ein anstrengender Tag.

Freitag, 21.08.2015 – Wicklow Mountains

Wieder zeitig hoch, auch wenn die 3. Tram früh genug ist. Die Frühstücktüte enthält wieder einen Apfel, jetzt habe ich schon zwei. Nahe der großen Nadel hole ich mir richtiges Frühstück und bin pünktlich um 8 Uhr am Bus Stop. Was für eine Überraschung, Reiseführer ist diesmal nicht Rob sondern Yoan. Er erzählt dass er halber Franzose ist und Italienisch spricht er auch. Der Busfahrer heißt John und stammt aus Liverpool. Erste Station ist die Stadt Kilkenny, einst für ein paar Jahre Hauptstadt von Irland. Wir setzen diejenigen ab die bleiben wollen und fahren weiter zur Dunmore Cave, einer Tropfsteinhöhe die mich an die Zeushöhle auf Kreta erinnert; über viele Stufen geht es steil nach unten. Allerdings war die Höhle auf Kreta wärmer, viel wärmer und nicht so nass. Ein Guide namens Frank erzählt die Legende des furchtbaren Massakers, das zu Wikinger Zeiten hier stattgefunden haben soll und wahrscheinlich nicht wahr ist. Für ein paar Sekunden macht er das Licht aus. Es ist absolut finster und schwer vorstellbar, dass Menschen sich hier ohne Elektrizität reingewagt haben. Die großen Stalaktiten und Stalagmiten sind echt beeindruckend, manche glänzen und sehen aus wie Berge von Salz. Ein paar Diebe mussten aber erfahren, dass dieser Effekt im Tageslicht verloren geht. Wir klettern die steilen, glitschigen Treppen wieder hinauf und fahren zurück nach Kilkenny. Eine Stunde zum Umsehen und den Rest der Truppe wieder einsammeln muss reichen, ehe es weitergeht in die Wicklow Mountains und nach Glendalough. Weil August ist leuchten die Berge in sattem violett und mancherorts auch in 3 Farben (lila, grün und gelb) – eine wirklich schöne Gegend. Durch die alte Klosteranlage von Glendalough bekommen wir eine Führung und Yoan erzählt uns vom Heiligen Kevin, der in diesem Tal naturverbunden und fern von den Menschen leben wollte. Es hat nicht lange gedauert und das Tal war dicht bevölkert und hatte 7 Kirchen. Kevin soll 120 Jahre alt geworden sein. Wir sehen einen Grabstein, der das stolze Alte von 106 Jahren ausweist. Andere Zeitrechung? In der noch verbleibenden Zeit können wir zu den zwei schön gelegenen Seen laufen. Ich gehe nur bis zum Ersten, ich will die Abfahrt nicht verpassen. Zurück am Besucherzentrum habe ich etwas die Orienierung verloren, treffe aber glücklicherweise Leute aus dem Bus und schließe mich an. Auf der Rückfahrt werden wieder Geschichten erzählt. Ich bin nicht mehr aufnahmefähig und schließe die Augen. Am Golden Globe werden wir entlassen. Ich möchte heute mal Irish Stew probieren und finde tatsächlich einen der empfohlenen Pubs. Hier gibt’s Stew (eine Art Kartoffelsuppe mit Lammfleisch) und ein Pint Guinness für 10 € und es ist nicht überlaufen, im Gegenteil, es herrscht gähnende Leere. Das Stew ist gut, das Pint ebenfalls. Mein Verdauungsspaziergang führt mich zur St. Paul’s Church. Sie ist geschlossen. Vor zwei Tagen hatte sich hier ein Obdachloser zur Nacht niedergelassen. Rob sagte, er hat in Dublin noch nie so viele von ihnen gesehen wie zur Zeit. Die Tram bringt mich zurück zum Hotel.

Samstag, 22.08.2015 – Dublin

Es ist schon wieder Wochenende. Ich schlafe lange und zum Frühstück gibt es Brat-Ei und weißen Pudding. Ich dachte immer dass das so etwas wie Leberwurst ist aber es schmeckt wie Bratwurst. Gegen halb 10 breche ich auf zum Phoenix Park und leihe mir dort ein Fahrrad. Ich bin kaum aus dem Ausgang, läuft ausgerechnet jetzt einer der Angestellten vom Verleih draußen rum: ‚The bike stays in the park!’. Ich drehe gehorsam um, es gibt ja auch noch andere Ausgänge. Ich denke, ich habe den Park dann Richtung Norden verlassen. Die Sonne scheint nicht also habe ich keine wirkliche Orientierung. Jedenfalls komme ich an dem Pub namens ‚Hole in the Wall’ vorbei; von dem habe ich gehört. Er wurde für die armen Soldaten gebaut, damit die auch mal ein Bierchen zischen gehen konnten. Sie durften den Park ja nicht verlassen. Ich radle weiter und stehe plötzlich am Kanal Royal und einer Schleuse. Die hatte ich vom Bus aus schon gesehen. Am Kanal entlang verlasse ich die Stadt und überall sind nur noch Autobahnen. Hier gefällt es mir nicht und ich kehre um. Zurück im Park sehe ich noch die letzten Läufer eines Halb-Marathon und auch Pferdesportler sind unterwegs. Die hier lebenden Hirsche lassen sich von den Menschen überhaupt nicht stören. Irgendwo im Süden verlasse ich den Park wieder und komme in leicht hügeliges Gelände. Das Gewässer das ich überquere muss der Fluss sein. Ich folge einer wenig befahrenen Straße bis in einen hübschen kleinen Ort mit Namen Palmerstown. Hier endet die Straße. Ich versuche eine der Querstraßen zur Rechten und die Sicht öffnet sich zum schönen Tal des Liffey; Zufahrt für vehicles leider untersagt. Und auch die Straßen zur Linken führen wenn sie nicht einfach enden zur Hauptstraße zurück. Es fängt an zu nieseln. Das Cafe hinterm Kutschenhaus am Ortseingang ist einladend doch ich habe kein Schloss für das Fahrrad und so warte ich den Husch in einem Bushäuschen ab. Im Phoenix Park treffe ich wieder auf die Hirsche. Mir würde gesagt man kann sie füttern und so habe ich die Äpfel und ein Messer mitgenommen. Ein Apfel ist schon weg, ich hatte Hunger. Ich schneide den anderen in kleine Stücke und nähere mich den Tieren. Ein Junges (es hat weiß gesprenkeltes Fell) sieht was ich habe und kommt zu mir und ganz vorsichtig nimmt es ein Stück nach dem anderen aus meiner Hand. Die Herde zieht schon langsam weiter doch erst als kein Apfel mehr da ist sprintet es die Hinterbeine schmeißend den anderen hinterher. Ein paar umstehende junge Leute sind begeistert; sie hatten wohl nichts zum Füttern dabei. Sie kommentieren das Geschehen und machen Fotos; leider nicht mit meinen Apparat. Um 5 Uhr bringe ich das Fahrrad zurück; heute werde ich rechtzeitig für die Bier- und Whiskeytour am ‚Monument of Light’ sein. Wir sind eine relativ kleine Gruppe von nur 8 Leuten – eine dreiköpfige Familie aus Portugal, ein ziemlich langer Lulatsch aus Johannesburg, ein Chinese, ein Amerikaner und Richie, unser Tour Guide. Als der anfängt zu reden weiß ich sofort, er kommt nicht aus Dublin, dafür redet er unglaublich schnell auch noch als ich ihn bitte doch etwas langsamer zu reden. Ich habe echt Mühe seinen Worten zu folgen. Wir laufen zu einem der unzähligen Pubs und werden in den Keller geführt wo wir 3 Sorten Bier verkosten dürfen, ein Red Pale Ale (das schmeckt ganz gut), eines das stark nach Schokolade riecht (zu bitter für meinen Geschmack) und ein Stout (kein Guinness aber gut). Richie erzählt von der Bierherstellung und dass der Pub in dem wir sind 27 bis 29 verschiedenen Biersorten verkauft. Bevor wir weiterziehen kaufen die Portugiesen noch Flaschenbier zum Mitnehmen, was eigentlich illegal ist doch das erklärt Richie erst als wir draußen sind. Nächster Pub ist das McNeill. Wir bekommen ein halbes Pint Guinness und ich höre noch einmal was das besondere daran ist und dass später am Abend hier traditionelle irische Musik gespielt wird. Ein paar Häuser weiter sind wir zur Whiskey-Verkostung geladen. Es gibt zwei verschiedene Sorten die mir zu warm sind. Der Chinese bekommt langsam Probleme mit dem Alkohol. Der Amerikaner bestellt Irish Stew und ist enttäuscht. Ich gebe mich mit Knoblauchbrot zufrieden. Es ist sehr gut. Kurz nach 9 Uhr verlässt Richie uns. Wir bleiben noch ein wenig und sogar der bisher schweigsame Portugiese kommt ins Erzählen. Später dann im McNeill ist es ziemlich voll. Die Musiker sind Vater und Sohn. Ich sitze neben dem Sohn und so erzählen wir zwischen den Songs ein wenig. Er erzählt mir, er war schon in Berlin und das war fantastisch. Als ich ihn frage warum, lautet die Antwort: The railway system. – Mir gefällt die Musik und die Stimmung doch nach 1 ½ Stunden muss ich gehen um die letzte Bahn nicht zu verpassen. Zurück im Hotel falle ich müde in die Koje und einen tiefen erholsamen Schlaf.

Sonntag, 23.08.2015

Der Tag startet trübe und regnerisch. Ich lasse es ruhig und gemütlich angehen und mache erst einmal ausgiebig Frühstück. Es ist schon fast Mittag als ich zum letzten Mal in die Stadt fahre (mein Fahrschein gilt nur noch heute). Eine Station nach Abby Street steige ich aus und laufe hinunter zum Fluss. Hier ist tote Hose, vielleicht weil Sonntag ist oder es einfach nicht aufhört zu regnen. Es gibt das Famine Memorial und man kann ein Auswandererschiff besichtigen. Ich laufe vorbei und weiter Richtung Hafen. Auf dem Fluss sind Ausflugsboote – keine schlechte Idee bei dem Wetter. Um mich aufzuwärmen und ein bisschen zu trocknen kehre ich für Carrot Cake und Kaffee bei einem Markt ein. Als ich dort Fotos machen will weist mich ein Sicherheitsmann zurecht; ich bräuchte die Genehmigung vom Geschäftsführer dafür. – In einem Waterways Vitisors Centre glaube ich die Möglichkeit für eine Bootstour zu finden doch es werden nur Walking Touren angeboten. Ich lehne dankend ab; das Wetter ist einfach zu schön. Zurück im Zentrum finde ich doch noch einen Bootsanleger und kriege meine Tour den Liffey hinauf und wieder hinunter. Neil der Kapitän und Richard sein 1. Offizier erzählen was links und rechts zu sehen ist und von den Brücken. Einige sind ziemlich neu und zwei weitere für die nächsten 2 Jahre geplant – ganz schön ehrgeizig. Wenn die über den Grand Canal schon da gewesen wäre, hätte ich mir heute einiges an Weg sparen können. Ein paar Verrückte sind auf dem Fluss mit Kanus unterwegs. Nach der Tour beschließe ich noch einmal bei O’Shea’s Merchant reinzuschauen. Dort läuft wohl ein wichtiges Fußballspiel, es ist ziemlich voll. Obwohl der Tag noch jung ist fahre ich ins Hotel zurück. Ich werde den Nachmittag in der nahen Schwimmhalle verbringen.

Montag, 24.08.2015 – letzter Tag

Als ich aufwache und einen Blick nach draußen riskiere scheint die Sonne. Gute Voraussetzung für mein Vorhaben. Das Porridge ist etwas dick geraten und auch Apfelsaft hilft nicht. Ich lasse es stehen und hole mir Toast und Ei. Heute fahre ich nicht in die Stadt, es soll ein schönen Wanderweg in die nahen Berge geben. Ich packe etwas Proviant ein und nach Durchquerung der Siedlung mit vielen Zäunen, Mauern und Sackgassen geht es langsam bergauf. Die Ländereien links und rechts sind bewirtschaftet und ich muss auf der Straße bleiben. Hier und da grasen Kühe oder Pferde. Schafe sehe ich keine. Es ist einsam hier oben, nur hin und wieder kommt ein Auto vorbei. Es gibt noch Strommasten aus Holz und als sich die Sicht weiter oben rechterhand öffnet stehe ich vor Massen von Sträuchern wilder Brombeeren. Teilweise reif, schwarz und süß werden sie eine leckere Bereicherung meines Picknicks dort. Ich habe einen schönen Blick auf Dublin und ich würde nicht sagen dass es klein ist. Um zurückzukommen gehe ich einfach talwärts und bin am späten Nachmittag mit Hilfe von Hinweisweisschildern wieder in Tallaght. In einem Einkaufszentrum kaufe ich mir Fish and Chips und im Untergeschoss dort finde ich endlich einen Laden der Cadburry Schokolade zu einem vernünftigen Preis anbietet. Ich kaufe ein paar Tafeln als Mitbringsel – es ist schließlich die beste Schokolade der Welt. Zurück im Hotel bestelle ich das Taxi und Frühstück für den nächsten Morgen und verbringe den Rest des Abends auf dem Balkon. Das Wetter ist immer noch schön und hinterm Stadion spielen ein paar Kinder Fußball. Ich gehe früh zu Bett; mein Flugzeug geht um 10 min nach 7 Uhr.

Dienstag, 25.08.2015 – Rückflug

Alles klappt bestens und so bin ich rechtzeitig zum Mittag wieder in Berlin.

Kat_59

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7 Antworten zu Irland im Aug 2015

  1. paulalbert61 schreibt:

    Na, da sind wir aber mal gespannt!

  2. paulalbert61 schreibt:

    Ja toll.
    Bis jetzt.
    Übrigens schreibt man „das“ am Beginn eines Nebensatzes, wenn es sich nicht durch „jenes“ oder „welches“ ersetzen lässt, mit Doppel-s.
    Who is Sergio?
    Wir warten auf die Fortsetzung der Geschichte.

    H+S

  3. ute schreibt:

    hat holger wieder geklugscheißert? wer sergio ist würde ich auch gerne wissen. ein bischen pech mit dem wetter aber viele sachen dazugelernt. Über bier und wiski und so. das wandern in den dubliner bergen kommt wohl noch, oder? schönes zimmer hattest du. so königlich.

  4. paulalbert61 schreibt:

    Schöner Bericht. Irland wird bald auch unser Ziel sein. Leider gibt es noch so viel anderes Interessantes in Europa und man hat nur seine lumpigen paar Urlaubstage im Jahr. Noch ein kleiner Tipp: wenn man hin und wieder einen Absatz einbaut, liest es sich besser.

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