Jersey im Aug 2014

Ich weiß nicht wieso, aber in diesem Jahr soll es Jersey sein –  vielleicht weil es etwas besonderes ist; nicht jeder fährt dorthin und ich mag Inseln.

Samstag, 9. August

Nach einem ausgiebigen Frühstück auf dem Balkon haben wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht. Unsere Bording Cards hatten wir uns am Tag zuvor aus dem Internet gezogen. Es ist eine feine Sache, dass man bequem von zu Hause aus den Sitzplatz wählen kann – grafisch dargestellt wo sich dieser befindet. Wenn doch nur die Gepäckaufgabe auch so einfach wäre. Die Schlange am Schalter war lang denn die Fluggesellschaft sparsam mit Personal. Wenigstens brauchten wir uns um unsere Koffer beim Umsteigen in Düsseldorf nicht kümmern – nur hoffen, dass sie mit uns zusammen auf Jersey eintreffen. Beide Flüge waren kurzweilig. Es gab Getränke und einen Imbiß, der der Vorstellung von durch den Gang laufenden und nach links und rechts Kekse werfenden Flugbegleitern sehr ähnelte. Der Flug Berlin – Düsseldorf dauert ca. 50 Minuten, der von Düsseldorf nach Jersey ca. 90 min und gegen halb 2 waren wir dort.
Das Wetter entsprach völlig unseren Wünschen – warm und sonnig. Nachdem wir uns mit Jersey Pounds versorgt hatten, nahmen wir den Linienbus (Nr. 15) in die Hauptstadt St. Helier in der Hoffnung, schnell unser Guesthouse zu erreichen. So einfach war es dann doch nicht. Trotz Stadtplan standen wir am Liberation Square orientierungslos da. St. Helier ist nicht groß, aber das Netz der Straßen total verwirrend. Ein freundlicher Mitarbeiter der Busgesellschaft hat uns den Weg erklärt und nach halbstündigem Fußmarsch befanden wir uns vor der Pension. Unsere Gastgeber, Jackie und Peter sind freundliche Leute. Im Gegensatz dazu war das Zimmer, muffig riechend und winzig klein, im ersten Moment ein Schock. Dann mussten wir auch noch feststellen, das Zimmer hat ein eigenes Klo aber keine Dusche, die befindet sich auf der anderen Flurseite. Als wir die Schlüssel hatten und Peter uns verlassen, haben wir versucht uns einzurichten. Nächste Hiobsbotschaft war: Deutsche Stecker passen nicht in Jerseyanische Steckdosen. In der Pension war kein Adapter aufzutreiben also machten wir uns fertig und auf den Weg ein Geschäft zu finden, das an einem Samstagnachmittag Adapter verkauft. Wir liefen den uns schon bekannten Weg, aber nur unseren Späties ähnelde Läden waren geöffnet. Die führen sogar Adapter, nur leider nicht die richtigen.  Irgendwann sind wir getrennter Wege gegangen, ganz einfach, weil ich allein schneller unterwegs bin. Jemand hat mich dann zu einem Elektronik-Fachgeschäft geschickt, die auch nicht die richtigen Adapter hatten, dafür aber der Baumarkt daneben – sogar World-Adapter. Frage war jetzt, wie ich Ute wiederfinde. Also habe ich mein Handy eingeschaltet und versucht anzurufen. Am anderen Ende der Leitung war nur Musik. Ok, habe ich gedacht, gehe ich halt zurück zur Pension. Nach ein paar Minuten Weg kam eine SMS: „Bin beim Cineworld im Les Jardins de la Mer.“ „Bleib dort!“, habe ich geschrieben, „Ich  komme dorthin.“ Dass die SMS schon 1 Std. alt war konnte ich ja nicht ahnen. Mit Hilfe einiger weiterer SMS fanden wir uns wieder – müde, kaputt, ausgehungert. In irgendeinem Hinterhof nahe einer Kirche in einem kleinen griechischen Restaurant gab es Chicken Kebab mit Chips und ein kühles Getränk dazu. Gestärkt und frohen Mutes ging es ab nach Hause. Inzwischen war es dunkel und alles sah anders aus; dann fing es auch noch an zu regnen. Wir hatten nicht mal einen vernünftigen Stadtplan dabei. Als wir dann doch mit Hilfe anderer und deren Stadtplan den Weg zurück gefunden hatten, waren wir so froh, da war die Pension unser Heim. Bei einem Versuch musste ich feststellen, das der World-Adapter für deutsche Stecker nicht passt. Also sind wir schlafen gegangen ohne unsere Nachttischlampem zum Leuchten gebracht zu haben. Morgen ist ein neuer Tag.

Sonntag, 10. August

Von Möwengeschrei wurden wir geweckt. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns trübes, regnerisches Wetter. Dafür war das Frühstück wirklich gut, „Full English breakfast but no beans please“. Peter versprach unsere Nachttischlampen zu checken und prophezeite Sonnenschein für den Nachmittag, also beschlossen wir, die Insel erstmal per Bus zu erkunden.  Das Busnetz ist gut. Wir haben einfach eine Endhaltestelle im Nordwesten gewählt und erreichten nach einer schönen Fahrt an der Süd- und Westküste entlang Greve de Lecq. Unterwegs konnten wir die durch das abfließende Wasser freigelegten Mondlandschaften  des Meeresgrunds bewundern. Am Strand von Greve de Lecq haben wir Mittag gegessen – es gab frittierte Kartoffelwürfel, frittiertes Huhn, Chickenburger und Pommes – und danach an einem geschützten Ort ein Vedauungsschläfchen gehalten. Inzwischen war tatsächlich die Sonne rausgekommen, leider hatte der Wind beträchtlich zugelegt. Nach ca. 1,5 h machten wir uns wieder auf den Weg. Unser Plan war, mit mehrmaligem Umsteigen die Nordküste der Insel zu erkunden. Nach nur einem Buswechsel gaben wir auf. Jede neue Buslinie bedeutet, man muss einen neuen Fahrschein kaufen (£1,30 oder £1,80, je nachdem wie weit man mit will), und der Linksverkehr hatte uns komplett wuschig gemacht. Zurück in St. Helier suchten wir nach dem Food Festival, von dem Jackie und Peter uns erzählt hatten. Der Wind am Wasser war inzwischen so stark, das alles öffentliche Leben von der Straße gefegt wurde. Wir fanden das Festival nicht, ganz einfach weil es abgesagt war. Wir sind dann ein bisschen am Wasser herumgeirrt um zu guter letzt im Radison Hotel einzukehren. Eine kurze Frage dort an der Rezeption und ich hatte einen Adapter für deutsche Stecker – for free. Die dachten wohl, wir wohnen dort. An “ The Waterfront“ gibt es ein riesiges Konferenzzentrum, dass aber komplett leer zu sein schien. Abends zurück in der Pension musste Peter uns zeigen, wo sich die Nachttischlampen ein- und ausschalten lassen. Wir kamen uns ziemlich dämlich vor. Der erste Versuch, an diesem Blog zu schreiben, war ein Fiasko da die Internetverbindungsrate nur bei etwa 70% lag. Frustriert gab ich auf. Ich würde Peter morgen danach fragen.

Montag, 11. August

Der Himmel war blau mit nur wenigen Wolken, als der Tag für uns begann. Zum Frühstück haben wir heute ‚poeched eggs‘ bestellt weil Ute nicht wusste was das ist. Es war aber nicht echt sondern irgendwie in einer Form dafür gekocht – einfach gekochtes Ei ohne Schale. Peter hat uns erzählt, dass die WLAN-Verbindung in der Lodge besser ist, wir würden es abends probieren. Gegen 10 sind wir zum Elizabeth Castle aufgebrochen, das ca. 1 km vom Hafen St. Heliers entfernt auf einer Felseninsel im Meer liegt. Charming Betty oder Nancy – Boote auf Rädern genannt ‚puddle ducks‘ – hat uns hinüber gebracht. Zuerst folgten wir einer Führung, haben uns dann aber abgeseilt, um die Burg auf eigene Faust zu erkunden.  Ein Teil der Festung ist durch Betonbauten der Nazis verunstaltet, die Jersey von 1940 bis 45 besetzt hatten aber das Flair einer mittelalterlichen Burg ist noch erhalten. Im Innenhof durften sich ein paar Touristen zur Belustigung der anderen im Exzerzieren üben. Ein Deutscher wurde abgelehnt, dafür war ein Franzose besonders eifrig bei der Sache. Er hatte nur das Pech, kein Englisch zu verstehen. Zum Ausruhen wollten wir uns in einem kleinen Garten niederlassen, als es plötzlich knallte. Einmal am Tag, wenn die Sonne am Höchsten steht, wird eine der alten Kanonen abgefeuert. Zurück liefen wir sozusagen auf dem Meeresgrund und die Geschichte erzählt, dass so mancher Soldat – nüchtern oder betrunken – beim Pendeln zwischen Strand und Festung umgekommen ist. Am Nachmittag haben wir eine zweite Burg an der Ostküste besucht, Mont Orgueil Castle. Es liegt hoch oben über dem Ort Corey Pier malerisch auf einem Felsen. Leider war das Castle selbst schon geschlossen und wir mussten uns mit einer halben Umrundung und einigen frei zugänglichen Lagerräumen zufrieden geben. Witzig hier war ein so angebrachter Spiegel, dass das Licht von draußen reflektiert wurde und es aussah wie ein Fenster. Wollte man allerdings hinausschauen, schaute man ins eigene Gesicht … . Ute konnte es nicht lassen, mir aus einer dunklen Ecke ein lautes ‚Buh‘ entgegen zu schleudern um mich zu erschrecken.

Dienstag, 12. August

Auch heute sah es wieder nach gutem Wetter aus, allerdings war das Duschwasser kalt. Wir haben uns natürlich beschwert (in netter Form) und Peter (Er sieht übrigens ein bisschen wie Paul McCartney aus.) ist gleich losgegangen zum Testen um uns promt zu demonstrieren, das Wasser war warm. Er hatte auch keine Erklärung, Sie hätten zwei große Tanks und das warme Wasser könne nicht ausgehen. Wir kamen uns schon wieder irgendwie blöde vor.
Unser erstes Ziel für heute, Gorbiere Lighthouse, ist ebenfalls gut mit einem Bus zu erreichen. Weil Ute aber unbedingt Doppelstockbus fahren wollte, nahmen wir absichtlich die falsche Linie. Wir konnten ja später umsteigen. Am Umsteigepunkt fuhr der erste Bus unserer Linie an uns vorbei. Die Info-LED sagte: ‚Sorry, bus full‘. Wir waren total perplex. Der nächste Bus hat uns dann obwohl er auch voll war mitgenommen. Hier trafen wir einen alten Bekannten wieder. Es war der gleiche Busfahrer, der uns vom Fluhafen nach St. Helier gebracht hatte. Er freute sich, dass wir ihn wieder erkannt hatten und so haben wir mit ihm ein bisschen ge-smalltalked. Zum Abschlied bekamen wir eine Kusshand und ein deutsches ‚Auf Wiedersehen‘. Das letzte Stück Weg zum Leuchtturm, eigentlich auf dem Meeresgrund liegend, war schon begehbar wenn auch noch nass. Links und rechts gurgelte das Wasser und die Warnung wegen starker Strömungen dort nicht zu schwimmen ist nachvollziehbar. Wir haben uns nicht sehr lange dort aufgehalten. Der Turm selbst kann nicht besichtigt werden und die am Wasser stetige mehr oder weniger steife Brise macht längere Aufenthalte ungemütlich; außerdem wollten wir weiter nach Devil’s Hole. An diesem Morgen hatten wir uns entschieden ein Drei-Tages-Ticket zu kaufen also waren mehrere Buslinienwechsel kein Problem mehr. Für das letzte Stück Fahrt hätten wir aber 1 Std. warten müssen und so beschlossen wir zu laufen. Die meisten Straßen auf Jersey sind schmal und bis an die Begrenzungslinie reichende bis zu 10 Meter hohe Hecken aus Lebensbäumen oder manchmal auch Begrenzungsmauern machen Autofahren auf Jersey mitunter zu einer Kunst. Wir sind gewandert, dafür ist genug Platz da und auch mit Fahrrädern kommt man gut voran.
Hier im Norden gibt es sogar ein Weingut, was erstaunlich ist denn bisher waren die Temperaturen nicht höher als 22 °C. Der Wein ist trinkbar. Man hatte uns am 1. Tag am Fluhafen welchen zum Kosten gegeben. Nach ca. 40 min Fußmarsch erreichten wir ein kleines Örtchen und den Parkplatz oberhalb von Devil’s Hole. Von dort sollten es noch 10 min bis zum Ziel sein. Es ging durch Wald, vorbei an einem Tümpel, in dem eine große Teufelsstatue steht, zu einer Treppe. An dieser Stelle war klar, 10 min reichen nicht – schon gar nicht für Ute. Um den Bus zurück nicht zu verpassen überlegten wir, dass nur ich hinuntersteige, mich umschaue, Fotos mache und dann Ute alles erzähle. Ich war schon auf dem Rückweg, als sie mir entgegen kam. Sie wollte es doch selbst sehen und der nächste Bus wäre auch in Ordnung (1,5 h später). Devil’s Hole ist ein riesiges Felsloch und das bei Flut einströmende Wasser soll dort manchmal wie ein Geysir hochschießen. Leider war Ebbe. Als wir auf Jersey ankamen, wollten wir eine Zeittafel für die Wasserstände besorgen. Wir haben dergleichen aber nur an den Stränden angeschlagen gefunden. Es war trotzdem beeindruckend. Zu Lesen war am Devil’s Hole, das ein Schiff dort verunglückt ist. Ein Mann kam ums Leben, unglücklicherweise der Sohn des Eigentümers; aber alle anderen wurden vom Kapitän gerettet, wofür dieser auch geehrt wurde. Ungefähr eine halbe Stunde haben wir dort gesessen, die Sonne und das Meer tief unter uns genossen und zu den Inseln Guernsey und Sark hinübergeschaut, die hier nur 25 bzw. 18 km entfernt sind.
Zurück in St. Helier haben wir irgendwo zu Abend gegessen und sind nach Hause. Morgen sollte ein Bade-Strand-Tag werden. Ich war skeptisch.

Mittwoch, 13. August

Plemont Bay, am nordwestlichsten Zipfel von Jersey gelegen, wird im Reiseführer als der schönste Strand – bei Ebbe – beschrieben, auch für Kinder. Wir brachen früh auf, da wir die Ebbe auch erleben wollten. Als wir uns von der Haltestelle einen ziemlich steilen Weg hinuntergewagt hatten, war von einem Strand nichts zu sehen, es gab nichts außer Felsen und Wasser. Nach und nach trafen Leute mit Strandutensilien ein. Hatten die den gleichen Reiseführer wie wir? Erstmal wird geschlemmt. Hier haben wir zum ersten Mal Cream Tea, ein als inseltypisch bezeichnetes, aus Kuchenbrötchen (scone) mit Butter, Marmelade und der Sahne von jerseyanischen Kühen (sehr fetthaltig) und natürlich Tea bestehendes Mal probiert. Irgendwann wich das Wasser und eine wunderschöne sandige Bucht kam zum Vorschein. Immer größer wurde der Strand, der gespickt mit Felsen ein Bade-Paradies auf Zeit ist. Wir waren nicht Baden. Der Wind war uns zu kalt. Ortskundige trugen Neoprenanzüge und hatten Folie dabei denn der Sand trocknet nicht. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen im Windschatten eines Felsens und blieben bis die Feuchtigkeit durch die mehrfach gefalteten Strandtücher unseren Hosenboden erreicht hatte. Beim Spazierengehen erdeckten wir Höhlen in denen Wasser steht und einige Leute fingen dort Fische. Nur zum Spass nicht zum Essen.
Um vielleicht doch noch zu einem Bad zu kommen, nahmen wir den Bus die Westküste (St. Quen’s Bay) entlang zurück. Wir hatten dort ein Schild mit der Aufschrift „Watersplash“ gesehen. Als wir dort ankamen, entpuppte sich das Ganze als Gaststätte, Souvenirshop und Surfschule. Also doch kein Bad sondern Wandern am Strand, welcher zum Sandsegeln, Kitesurfen und dergleichen genutzt wird. Das Wasser war sicher so um die 800 Meter zurückgewichen, kam aber langsam wieder näher. In einem kleinen Ort
namens Pulente entschieden wir uns für eine Gemüsesuppe, die sehr salzig war und ein Guinness. Als wir auf der Rückfahrt am Gorbiere Lighthouse vorbeikamen, lag dieser mitten im Meer.

Donnerstag, 14. August

Der Morgen begrüßte uns mit dicken Wolken und Regen. Wir haben bei allem getrödelt in der Hoffnung, das Wetter würde sich bessern. Erst gegen 10 Uhr sind wir aufgebrochen um unseren täglichen Gang hinunter zur Bus Station anzutreten. Nachdem wir uns neues Geld besorgt hatten, ging es erst wieder nach Gorey Pier. Diesmal lagen die Schiffe im Wasser und nicht auf Sand. Es regnete immer noch, deshalb haben wir uns Regencapes gekauft und ein paar Postkarten. Bis unser Bus nach St. Catherine’s Breakwater abfuhr, verkrochen wir uns in einem Wartehäuschen. Die Capes waren kein besonders guter Schutz. An unserem Ziel angekommen, hörte der Regen auf und die Sonne kam raus. Also pulten wir uns wieder aus unseren Plastiktüten. Jemand hatte dort einige Sachen aus Sand geschaffen und auf Nachfrage erzählte er, dass ihn das 15 Tage gekostet hatte. Er tat mir fast leid denn nur wenige bewunderten sein Werk. Eigentlich ist in St. Catherine’s ein Höhlenfischfarm zu besichtigen. Zu unserem Bedauern war an dem Tag leider für Besucher geschlossen. Nach einem Spaziergang auf einer endlos langen Mole, an deren Ende sich ein öffentliches Klo befindet (es gibt unglaublich viele davon auf Jersey) und man einen Blick auf die Küste von Frankreich werfen kann sowie einem Kaffee fuhren wir zurück nach St. Helier um von dort ins Inselinnere zum Durell Wild Life Park zu fahren. Als wir dort ankamen, war es schon halb 4. Der Park hat nur bis 6 geöffnet. Für diesen kurzen Zeitraum war uns der Eintrittspreis zu hoch (£15,00). Wir haben uns ein zweites Mal Cream Tea – diesmal mit Blueberry Scone – schmecken lassen. Als wir auf einer Bank sitzend auf den Bus warten, ertönt aus dem Gebüsch hinter uns eine Stimme. Erst ist nicht klar wo das herkommt, bis wir Lautsprecher entdecken, die überall in den Buschen versteckt stehen. Feine Sache, so haben wir wenigstens ein wenig über den Park und seine Tiere zu hören bekommen. Zurück in St. Helier haben wir uns auf die Suche nach dem Central Market gemacht, von dem im Reiseführer zu lesen ist, er wäre sehenswert. Nach einstündiger Suche und einer echt unfreundlichen Reaktion eines Einheimischen auf unsere Nachfrage hatten wir die Nase voll und sind Richtung Pension gepilgert. Unterwegs haben portugisisch zu Abend gegessen. An diesem Abend haben wir in unserem Zimmer die Möbel ein wenig umgestellt. Danach sieht es irgendwie besser aus.

Freitag, 15. August

Heute ist schon der letzte Tag und er weckt uns mit herrlichem Sonnenschein. Beim Frühstück hat Ute wieder 2 hash browns bestellt. Peter kennt das schon. Wir starten einen neuen Versuch die Markthalle zu finden. Und tatsächlich, wir finden sie. Am Tag zuvor müssen wir vorbeigelaufen sein (wäre ohnehin geschlossen gewesen, wie wir jetzt erfahren). Die Halle ist – passend zur Insel – klein aber hübsch. Ute interessiert sich für Uhren, ich mehr für einheimische Produkte, z. B. Black Butter, ein Jerseyanisches Produkt das aus Äpfeln und Zimt zusammengekocht wird. Beides ist uns zu teuer und wir wandern ohne uns auch noch die Fischhalle anzusehen zum Strand hinunter. Das Wasser steht noch hoch und die Puddle Ducks müssen zum Castle fast schwimmen. Wir warten, die Fahrt hatten wir ja schon mitgemacht und die Burg wollten wir auch nicht nochmal besichtigen. Wir setzen uns auf ein paar Steine und beobachten das Abfließen des Wassers. Er fängt an zu regnen und wir flüchten ins „La Fregate“, einen kleinen Imbissladen, der wie ein umgedrehtes Boot aussieht. Schnell zieht sich die Flut zurück und der Fussweg kommt zusammen mit der Sonne zum Vorschein. Jetzt ist fast Badewetter.
Ich kann Ute überreden, mit mir zum Castle hinüber zu laufen. Dahinter befindet sich auf einem Felsen eine Kapelle und die wollte ich, wenn möglich ohne durch die Burg zu müssen, erreichen. An einer Stelle ist der Weg noch überspült und wir holen uns nasse Füsse. Unterwegs dürfen wir dem Liebeslauten zweier Möwen lauschen. Es klingt fast wie das Blöken von Schafen. Auf der anderen Seite verlassen wir den offiziellen Weg und suchen eine Möglichkeit die Burg zu umrunden. Es wird immer felsiger und unwegsamer und ich lasse Ute auf einem Stein sitzend zurück mit dem Versprechen, in einer halben Stunde wieder dort zu sein. Was soll ich sagen, ich habe es geschafft, auch wenn es eine ziemliche Kletterei war. Plötzlich stand ich in einem Hafenbecken und neben mir lag ein Segelboot im Sand. Glücklicherweise gab es ein Leiter nach oben und ich konnte mir die Kapelle ansehen. Wäre mehr Zeit gewesen, hätte es sich sicher gelohnt, länger dort zu bleiben aber ich musste zurück, am Besten durch das Castle aber ich hatte keine Eintrittskarte. Um die versprochene halbe Stunde einzuhalten, habe ich es trotzdem gemacht und wurde nicht behelligt (Puh!). Als ich aus dem Ausgang kam, wollte Ute mir gerade entgegen gehen in der Annahme ich wäre ganz und gar einmal rumgegangen.
Das Wetter war warm und sonnig und so hat Ute sich entschlossen, wenigstens einmal im Kanal baden zu gehen. Ende des 19. Jhd. schon ist ein Bereich am Strand mit einer Mauer umgeben worden um einen Teil des bei Ebbe abfließenden Wassers zurückzuhalten und so ist ein annehmbarer Meerwasserpool entstanden, dessen Inhalt bei jeder Flut ausgetauscht wird. Es gab einige Mutige, ich gehörte nicht dazu. Ich musste ja auf die Sachen aufpassen. Leute, die den ganzen Kanal durchschwimmen, müssen ganz schön verrückt sein.
Wir laufen zurück nach Hause um uns umzuziehen, denn heute Abend findet noch die Moonlightparade des Battle of Flowers statt und danach ein großes Feuerwerk, dessen Vorbereitungen ich im Castle gesehen hatte. Der Ansturm an Menschen war enorm. Jersey hat nur 90.000 Einwohner (nur etwa die Hälfte ist auch tatsächlich dort geboren) und alle schienen dort zu sein und natürlich die Touristen. Wir waren jetzt seit einer Woche auf der Insel, so viele Leute waren uns an allen Tagen zusammen nicht begegnet. Wir sind nicht bis zum Schluss geblieben, denn es wurde wieder empfindlich kalt. War auch nicht so ganz unser Ding mit blumengeschmückten Wagen und so.

Samstag, 16. August

Letzer Tag! Wir stehen früh auf, frühstücken und packen unsere Koffer denn um 10 Uhr müssen wir unser guesthouse verlassen. Wir geben die Zimmerschlüssel zurück, wünschen Jackie und Peter alles Gute und trotten mit Sack und Pack los. Am Flughafen versuchen wir einen Automaten für Boarding Cards zu finden, für unsere Fluglinie gibt es keine. Wir müssen warten. Das Wetter ist super also setzen wir uns draußen in die Sonne. Wir stellen fest, dass die kleinen Flieger von denen wir dachten, sie machen Rundflüge, Privatmachinen sind. Auf Jersey sollen viele Millionäre einen Wohnsitz haben, weil die Steuern so niedrig sind.
Beim Start haben wir noch einem einen schönen Blick auf die Insel und etwas später auf die Küste Frankreichs. Es gibt wieder Snacks und etwas zu trinken. Über Deutschland hängt eine dicke Wolkendecke und der Flug dadurch ist holperig. In Düsseldorf regnet es und wir haben 3 Stunden Aufenthalt, die wir mit essen, warten und Shops gucken hinter uns bringen. Ein Bus bringt uns zum Flieger nach Berlin und das ist diesmal doch tatsächlich eine alte Propeller-Maschine. Wir schauen uns nur skeptisch an und Ute meinte, sie würde lieber mit dem Zug fahren aber es gab kein zurück. Reihe 6 befindet sich direkt neben den Rädern und der Propeller ist auch sehen. Ich fand es ganz interessant mal zu sehen, wie sich die Räder vom Boden lösen und dann sehr schnell eingefahren werden. Der gesamte Flug war wie eine Fahrt über Kopfsteinpflaster und der Tomatensaft wollte nicht so recht schmecken doch wir sind wieder glücklich gelandet. Als die Maschine hielt, ging das Licht aus und aus dem Cockpit (witziges Wort, wenn man es wörtlich übersetzt) kam die Durchsage: „Feierabendposition!“. Die Heimat hatte uns wieder.

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5 Antworten zu Jersey im Aug 2014

  1. paulalbert61 schreibt:

    Sehr gut! Wie geht es weiter?

  2. paulalbert61 schreibt:

    Hallo Ines, liest sich gut. Schönes Wetter ist also nicht immer das wichtigste im Urlaub. Gibt es denn auch mal ein paar Bilderchen? Offenbar gibts ’ne Menge Castles auf der Insel. Schönen Gruß an Dich und Ute aus London

    • teddy61 schreibt:

      Hallo Ihr, danke für die Grüße und liebe Grüße auch an Euch und noch einen schönen Urlaub. Wir lesen Euren Bericht dann zu Hause, denn dort geht es morgen schon wieder hin. Bis dann, Ute und Ines

  3. paulalbert61 schreibt:

    Gut gemacht. Hattet ihr keinen Fotoapparat mit?

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