Wandern im Harz, April 2017

Montag, 10.04.2017

Um den Tag entspannt beginnen zu können, ist der Wecker schon zu um 7.00 Uhr gestellt – so als wäre es ein normaler Arbeitstag. Noch eine halbe Stunde dösen und dann hoch. Als ich, Ines, ins Wohnzimmer schaue, ist das Bett leer. Huch, wo ist Antje? Alles gut, sie ist bereits auf dem Weg ins Bad. Ich setze Wasser auf, heize den Backofen vor und decke den Tisch. Wir frühstücken ausgiebig und gut – Voraussetzung für einen guten Start in den Urlaub. Dann noch fertigmachen, den Rest einpacken, Koffer schließen – nur noch wenige Minuten.

Auch bei Jule plärrt der Radiowecker Punkt 7 Uhr los. Die Katze plärrt ebenso nach ihrem Fressen. Sie wird diese Woche leider viel alleine sein. Jule duscht, zieht sich an, und versucht an alles zu denken, was sie noch einpacken muss für die große Fahrt in den Harz. Gegen 9 Uhr macht sie sich auf den Weg zu Ines und Antje in die …straße, wo sie gegen 9:30 Uhr eintrifft.

Es klingelt. Juliane steht vor der Tür. Eigentlich wollten wir uns am Bahnhof treffen aber so ist‘s auch gut. Ein Blick auf‘s Handy verrät, wir wissen, welches Auto unser ist. Der Marsch dorthin ist schnell bewältigt; das Auto lässt sich ohne Probleme öffnen. Wir verstauen unsere Koffer – sie passen gerade so rein und ab geht die Post.

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Wie erwartet, brauchen wir zum Verlassen Berlins einiges an Zeit. Danach begrüßt uns die typische rötliche Autobahn Richtung Magdeburg. Es sind weniger Fahrzeuge unterwegs als befürchtet und Jule schläft. Als wir Hunger verspüren, verlassen wir die Hauptstraße – eigentlich um bei McDonald ranzufahren – und erreichen nach einer abenteuerlichen Fahrt durch Magdeburg mit vielen Sperrungen, Umleitungen, Einbahnstraßen und zwei Navi-Stimmen mit unterschiedlichen Zielen einen einem amerikanischen Diner nicht unähnlichen Laden namens „Schnizz“. Kaffee, Salat und Broccoli-Käse-Nuggets stärken uns für den Rest der Strecke.

Als wir unserem Ziel näher kommen, steigt die Spannung. Wir sind neugierig auf unsere Unterkunft. Am Vortag hatte unser Vermieter angerufen, er würde nicht da sein wenn wir kommen. Wir finden das Haus relativ schnell und der Schlüssel ist am beschriebenen Platz. Von der FeWo sind wir sehr angenehm überrascht. Es ist eine niedliche kleine Wohnung mit 3 Zimmern, Mini-Küche und geräumigem Bad. Wir schaffen unsere Koffer hinein, verteilen die Betten, gönnen uns Kaffee und Cookies und auf geht’s zu unserer ersten Tour.

 

Im Ort finden wir als erstes einen Bäcker (Jule bietet an, morgens Brötchen zu holen) und die Tourist-Info. Ein bisschen Material mit auf den Weg, Öffnungszeiten checken – auch die des Lebensmittelladens – dann verlassen wir den Ort in Richtung Wald zu den Mause- und Schnarcherklippen. Der Weg dorthin beginnt entspannt im Kurpark, wo wir die plätschernde kalte Bode überqueren. Den Wegweisern folgend geht es an den Rand des Waldes, wo ein steiniger steiler Weg auf uns wartet, der in das düstere Dickicht führt. Etwas unheimlich wird es uns, als wir in der Ferne ein Geistergeheul vernehmen. Aber es handelt sich nur um das typische Pfeifen der Brockenbahn, welches wir noch häufiger zu Ohren bekommen werden.

Zwischen sehr hohen Tannen wagen wir den Aufstieg. Wir staunen nicht schlecht, als wir das erste Highlight entdecken: die Mauseklippen, eine ungewöhnliche Anhäufung von riesigen Felssteinen mitten im Wald. Ob wohl die zahlreichen Löcher zwischen den Felsen Anlass für die Namensgebung waren? Wir schießen einige Bilder und folgen dem Trampelpfad zur nächsten Sehenswürdigkeit. Unterwegs begegnen uns nur sehr wenige Leute, man grüßt freundlich. Der Weg ist nicht mehr ganz so steinig und zwischendurch kommen wir an kleinen, niedlichen Tannenbaumschulen vorbei. Einige Abzweigungen später stehen wir vor den Schnarcherklippen, zwei knapp 30 m hohe Felsformationen aus grauem Stein. Ihren Namen verdanken sie den eigenartigen Geräuschen bei starkem Wind, welchen wir leider nicht hören werden. Schon Goethe bemerkte auf einer seiner Harzreisen, dass die Kompassnadel in der Nähe der Klippen durchdreht – Schuld ist das enthaltene Magnetit. Wir umrunden die beiden Ungetüme und entdecken die Eisenleitern am Südwestlichen, die nur darauf warten, bestiegen zu werden. Jule traut sich als erstes, Ines und Antje folgen mutig. Das eiskalte Geländer gibt mehr oder weniger Halt, zwischendurch gilt es einige große Klippenspalten zu überwinden, bis man es nach oben geschafft hat. Dort erwartet uns schönster Sonnenschein und ein toller Ausblick über die bewaldete Umgebung. Auf wackligen Beinen geht es dann wieder an den Abstieg. Wir sind heilfroh, als wir wieder auf festem Boden stehen. Beschwingt machen wir uns an den richtigen Abstieg nach Schierke, aber vorher holen wir uns noch den Stempel als Beweis ab. An insgesamt 222 Orten im Harz stehen meist kleine Unterschlüpfe mit Wanderstempeln, die darauf warten, von eifrigen Wanderern in ihr Stempelheftchen gestempelt zu werden. Wenn man genug Stempel gesammelt hat, bekommt man die Harzer Wandernadel verliehen, bei allen 222 Stempeln wird man gar zur Wanderkaiserin gekrönt. Wir bleiben realistisch, dass wir dieses Ziel nicht erreichen werden, aber ein paar Stempel mehr werden wir sicher noch einsacken können.

 

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Wir nehmen wieder den gleichen Weg zurück ins Tal und gehen in den NP Markt einkaufen: Blumenkohl und Champignons stehen heute auf dem Speiseplan, dazu eine Frischkäsesoße. Wir kaufen noch einiges mehr ein, unter anderem einen kleinen Schierker Feuerstein zum Probieren. In unserer Herberge bereiten wir das schmackhafte Abendessen zu und versuchen die Bilder von unseren diversen Mobilgeräten auf den kleinen Laptop von Ines zu ziehen, was schwerer ist als geahnt. Wir lassen den Abend ausklingen bei Schierker Feuerstein und Origami.

 

Dienstag, 11.04.2017

Gegen 7:30 Uhr wachen wir alle auf und machen uns fertig für den ersten richtigen Wandertag. Ein anständiges Bergsteiger-Frühstück darf da natürlich nicht fehlen. Die Wettervorhersage ist recht bescheiden: kalt, windig und wenig Sonne. Wir versuchen uns so gut es geht dafür zu wappnen und verlassen gegen 9:30 Uhr unsere Ferienwohnung um den Otto-Naturlehrpfad hinter unserem Haus zu betreten. Zwischen Wald und Zivilisation geht es einige Schritte weiter auf dem Trampelpfad, es fängt an zu schneien und hört genauso schnell auf wie es begonnen hat.

Bei der ersten Kreuzung sind wir uns sofort unsicher welchen Weg wir einschlagen sollen, der Wegweiser ist auch keine große Hilfe. Wir wollen den Eckerlochstieg bezwingen, aber von dem ist erst einmal keine Rede, also befragen wir die Übersichtskarte aus der Touristeninformation und entscheiden uns für geradeaus. So geht es noch ein paar Mal, schließlich gelangen wir an den äußersten Rand Schierkes, überqueren die kalte Bode, die unter der hässlichen Jugendherberge entlang fließt und folgen dem grünen Teufelchen auf dem Holzschild. Ein Hinweisschild belehrt uns über Ge- und Verbote im Naturschutzgebiet. Da der Brocken eine „hohe Totholzdichte“ besitzt, kommt es schon mal vor, dass Bäume umfallen und auf den Wegen liegen bleiben. Mit dieser Information betreten wir das Waldgebiet und folgen zunächst dem bequemen breiten Pfad über die Schluftwiesen, immer in der Nähe der kalten Bode.

Der Weg wird steiler und steiniger, bis wir auf dem Eckerlochstieg nur noch über kalte graue Felsen kraxeln. Um uns herum sehen wir viele tote Bäume, einige sind recht spektakulär entwurzelt. Es wird immer kälter und windiger, aber die Anstrengung des Aufstiegs hält uns warm. Wir überqueren mehrmals die bequeme asphaltierte Brockenstraße und bei der Kreuzung des Eckerlochstiegs mit dem Bahnparallelweg holen wir uns den Stempel vom Eckerloch und machen ein kurzes Raucherpäuschen. Die Sonne kommt sogar mal raus. Kurz zuvor hatten wir die Schienen der Brockenbahn überquert und nun sehen wir sie schnaufend und dampfend zwischen den Bäumen zuckeln.

Kurze Zeit später geht es an den zweiten Teil des herausfordernden Aufstiegs. Wir steigen nun mit vielen anderen Leuten zusammen hinauf, was nicht immer ganz reibungslos verläuft. Eine Familie mit Hund hält häufiger mal an, wahrscheinlich hat der Hund keine Lust auf Bergsteigen. Zwischen den Felsen ist der Boden meist matschig, man muss gut aufpassen wo man hin tritt. Wir sehen das erste Mal ein Häufchen Schnee am Wegesrand.

 

Schließlich erreichen wir die Brockenstraße ein zweites Mal und sind froh, den Eckerlochstieg hinter uns lassen zu können. Ab jetzt geht es problemlos über Asphalt den letzten Kilometer bis zur Brockenspitze. Ein eisiger Wind fegt uns um die Ohren und Jule möchte schnell am Ziel ankommen, die anderen beiden laufen lieber entspannt. Die Straße zum Brocken ist rappelvoll mit anderen Wanderern, einige davon sind erstaunlich dünn angezogen. Gerade als Jule die Gleise der Schmalspurbahn ein zweites Mal überqueren möchte, kommt der Hogwartexpress angerauscht. Schnell wird das Handy gezückt und ein Video gemacht, während der stinkende Dampf aus der Lokomotive alle Umstehenden einhüllt.

Weiter geht es die Brockenstraße entlang, am Wegesrand liegt mehr Schnee und große Steine mit rotem Belag (Rost? Flechte?), die Bäume haben einen weißes Kleid bekommen. Kurz vor dem Ziel erinnert eine Tafel und ein Gedenkstein an die deutsche Teilung und die Wende, denn der Brocken war Grenzgebiet mit einer russischen Abhörstation. Die Sicht ist erstaunlich gut, in der Ferne sieht man eine relative große Stadt in der Sonne, welche sich an die Berge schmiegt, dahinter beginnt das Flachland, wahrscheinlich ist es Wernigerode.

Das erste Gebäude, was man von der Spitze sieht, ist der Bahnhof, darüber eine Gaststätte. Kurze Zeit später fährt die Brockenbahn ein und spuckt jede Menge fußfaule Gäste aus, welche sich erstmal in der angrenzenden Gaststätte von der erschöpfenden Bahnfahrt stärken müssen. Jule guckt sich nach Ines und Antje um, aber sie sind nirgends zu sehen, also geht sie erstmal zu den anderen Gebäuden – dem Brockenhotel und dem Brockenhaus, in dem eine Touristeninformation und eine Ausstellung zum Berg beheimatet sind. Neben dem Brockenhaus steht ein Stein mit dem Profil von Heinrich Heine. Dieser schrieb nach seinem Aufstieg in das Gipfelbuch folgende Worte:
„Viele Steine,
müde Beine,
Aussicht keine,
Heinrich Heine.“

 

Jule wartet frierend neben dem Brockenhaus und versucht Ines und Antje in der Masse der ankommenden Bergsteiger auszumachen. Es ist jetzt ca. 12 Uhr mittags. Nach einer Weile erkennt sie die knallrote Mütze von Ines und läuft ihnen entgegen. Wir wollen uns an einem warmen Ort niederlassen, Käffchen trinken und unsere selbstgeschmierten Stullen verzehren, aber das ist schwieriger als gedacht, denn überall, wo man ein Käffchen bekommt, darf man keine selbstgeschmierten Stullen verzehren. Im Brockenhaus ist nichts zum Sitzen, im „Touristensaal“ beim Hotel ist es auch recht voll. Ines kauft sich eine Mütze im Souvenirladen und wir bekommen von netten Verkäufer einen Stempel in unser Heftchen gedrückt.

Mit müden Füßen schleppen wir uns durch die eisige Kälte zum Bahnhof, in der Hoffnung, dort einen ruhigen Ort zu finden. Tatsächlich ist im Wartehaus gerade nicht so viel los, aber essen darf man da auch nicht. Wir staunen nicht schlecht über die Fahrpreise: 27 Euro für eine einfache Fahrt mit der Brockenbahn, egal wohin. Unsere letzte Chance ist die Gaststätte hinter dem Bahnhof. Wir ergattern einen Tisch in dem rappelvollen Selbstbedienungsetablissement. Es ist laut, warm und riecht wunderbar nach Milchreis und Erbsensuppe. An den Wänden hängen ausgestopfte Tiere und eine Kuckucksuhr. Ines ist so freundlich und besorgt Heißgetränke für alle.

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Wir wärmen uns auf und beobachten sehnsuchtsvoll die Familien um uns herum, wie sie ihr überteuertes Essen verschlingen. Ines traut sich und knabbert heimlich an ihrer selbstgeschmierten Stulle. Nach etwa einer halben Stunde suchen wir nochmal kurz den Abort auf und gehen dann wieder in die Kälte, wo Antje und Jule gierig ihre Stullen futtern.

Wir haben genug vom Brocken und wollen wieder ins Tal, aber nicht über den anstrengenden Eckerlochstieg. Wir entscheiden uns für den Goetheweg. Wenn der große deutsche Dichter diesen Weg schon gegangen ist, kann er ja so schlimm nicht sein. Tatsächlich verläuft der Weg zunächst sehr entspannt an den Gleisen der Schmalspurbahn entlang. Es ist immer noch sehr windig. Hier laufen auch sehr viele Leute mit Hunden entlang. Nach einer Weile kommen wir an einem Haltepunkt der Brockenbahn mit einigen Sitzmöglichkeiten vorbei. Jule tut mittlerweile ganz schön der Rücken weh von dem Rucksack. Wir machen Rast und just in diesem Moment fährt die Brockenbahn ein.

Der Goetheweg zweigt hier von den Gleisen ab und geht steil bergab über Steinplatten in etwas geschütztere Gefilde. Einige wahnsinnige rauschen hier mit ihren Bikes über die löchrigen Kolonnenweg-Platten. Wir trotten weiter und folgen zunächst den Wegweisern zum dreieckigen Pfahl, den wir aber nicht zu Gesicht bekommen werden, weil wir eine Abzweigung zu früh nehmen. Das ist uns dann aber mittlerweile auch egal, denn wir wollen eigentlich nur noch in Schierke ankommen. Es sind aber noch 7 km bis dorthin, welche sehr unspektakulär durch den Wald verlaufen.

Aus dem Kolonnenweg wird ein Trampelpfad, welcher sich immer enger durch die putzigen Tannenbäumchen schlängelt. Meist geht es sanft bergab. Es ist ruhig im Wald, in der Nähe hört man die kalte Bode rauschen und ab und zu das unheimliche Geheul der Brockenbahn. Wir laufen und laufen und laufen und begegnen kaum einer Menschenseele. Bei einem Rastplatz lassen wir uns auf die Bänke plumpsen und machen ein Raucherpäuschen. Danach wird wieder weiter gelaufen, der Weg führt nun an der kalten Bode entlang, dessen Wasser sich zwischen grün bemoosten Felsen schlängelt. Es sieht aus wie im Urwald. Ines und Jule sehen zwei Kraniche (?) zwischen den Bäumen aufsteigen.

 

Nach einer Ewigkeit gelangen wir schließlich wieder an die bekannte Kreuzung, wo wir zu den Schluftwiesen abgebogen sind und können es gar nicht erwarten, die Zivilisation wiederzusehen. Die letzten Meter schleppen wir unsere müden Füße auf dem Otto-Naturlehrpfad zu unserer Ferienwohnung, wo wir gegen 17 Uhr eintreffen. Antje legt sich ins Bett und bleibt dort den Rest des Tages. Ines und Jule ruhen sich auch kurz aus, aber machen sich nach einer halben Stunde nochmal auf die Socken, denn vielleicht hat ja das Stammhaus des Schierker Feuersteins, die alte Apotheke, noch bis 18 Uhr geöffnet.

Hat sie natürlich nicht, aber wir machen trotzdem noch ein paar Fotos von den süßen Häuschen in Schierke: dem Rathäuschen, dem Postämtchen, der Pension Barbara. Die kleine Kirche hat leider geschlossen. Durch den Kurpark laufen wir wieder zurück und machen noch kurz Halt im Supermarkt, um eine größere Flasche Schierker Feuerstein sowie Bananen zu kaufen. In der Ferienwohnung bereiten wir das Abendessen zu: Spinatnudeln mit Blumenkohl in Lachsauce, dazu reichlich Schierker Feuerstein. Nachdem wir alle Bilder auf dem Laptop gesichert haben, schreiben wir noch ein bisschen Reisebericht und plumpsen dann fix und fertig in unsere Bettchen.

 

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Mittwoch, 12.04.2017

Zweiter Wandertag. Heute bin ich (Antje) mit dem Schreiben an der Reihe. Ich gebe mir Mühe.

Jule hatte sich bereit erklärt, Brötchen zu holen und macht sich um 7.00 Uhr auf den Weg zum Bäcker. Ines und ich springen aus den Betten. Ines in die Küche, um den Tisch zu decken, ich ins Bad, um zu duschen.

Nach dem ausgiebigen Frühstück und Reinigung aller Wanderer geht es auf zum zweiten Wandertag. Es geht nach Thale. Ines fragt, wer heute fahren möchte. Ich kneife und so sagt Jule, dass sie heute fährt. Ich vertraue Jule absolut, was das Fahren angeht, aber diese kurvigen Straßen haben es in sich und so hinten im Auto sitzend, habe ich doch ein bissel Angst.

20170417_185315_1Nach einer kurzen Fahrtzeit überqueren wir eine riesige Brücke. Ich sehe mich um und erkläre, dass wir gerade die Rappbodetalsperre überqueren. Auf der linken Seite kann man schon die Hängebrücke sehen, die aber (Gott sei Dank) noch nicht fertiggestellt bzw. eröffnet ist. Eventuell hätte Ines die Überquerung in den Plan mit eingebaut. Puuhh….Glück gehabt.

In Thale angekommen, fahren wir gleich hinauf zur Roßtrappe. Wir parken und sehen schon den Sessellift, mit dem man ins Tal runterkommt. Aber wir wollen erst einmal zur Roßtrappe. Eigentlich nur Ines und Jule, denn ich wollte mich nach dem sooooo beschwerlichen Brockenbesuch eigentlich ausklinken. Ich hatte den Weg zur Roßtrappe als ziemlich beschwerlich und lang in Erinnerung. Ich war im Sommer vor zwei Jahren (pralle Sonne und gefühlte 40 Grad von oben) schon einmal dort. Auf den Schildern steht jetzt etwas von knapp 500 m, mmhh…okay… ich entschließe mich doch mit zugehen. Ist ja auch langweilig, immer irgendwo rum zusitzen und zu warten. Ines hat sich auf einer Schautafel noch einmal die Sage zur Roßtrappe durchgelesen und gibt sie uns nun mit sehr viel schmückendem Beiwerk und ausdrucksvoller Betonung wieder. Der Weg ist im Vergleich zum Eckerloch ein Kinderspiel und ruckizucki „bezwungen“. Die eigentliche Roßtrappe selbst ist schon fast unscheinbar. Und wenn der Abdruck nicht eingezäunt, mit einem Schild versehen und mit Ostereiern und Münzen bestückt wäre, würde man wahrscheinlich vorbei laufen. Aber man hat von dort oben einen wunderbaren Ausblick ins Tal, auf die Bode und rüber zum Hexentanzplatz, wo man die Gondelseilbahn sehen kann. Wir machen jede Menge Fotos, lassen uns von einer netten Frau fotografieren und wandern zurück, um nun mit dem Sessellift nach Thale runterzufahren. Wir entscheiden, dass wir jeder allein fahren wollen und ab geht’s. Der Blick nach Thale ist wirklich beeindruckend und wieder werden jede Menge Fotos gemacht.

 

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Ich bin die Erste, die unten ankommt, „springe beschwingt“ aus dem Sessellift, um von Jule und Ines Fotos zu machen, wie sie unten ankommen und sich ebenfalls aus dem Sessellift schwingen. Alle sind rechtzeitig aus dem Lift gekommen und keiner musste noch eine Runde fahren. Jule guckt aber ganz traurig und kramt in all ihren Taschen. Sie hat während der Fahrt ihre Karte verloren. Wir trösten und sagen, dass es passieren kann und wir würden dann eben eine neue kaufen.

 

Wir gehen nun ein Stück nach Thale rein. Es soll hier irgendwo am Park Eis geben. Tatsächlich befindet sich hier gleich ein wunderschöner Park mit merkwürdigen Hufabdrücken im Boden. Der Weg soll den Mythenweg darstellen. Dieser verbindet zwölf Kunstwerke innerhalb der Stadt Thale miteinander. Der 2004 geschaffene Weg nimmt Bezug auf die Überlieferung der Sagen aus dieser Region, die auf die bekannten vorgeschichtlichen Kultstätten auf der Roßtrappe und dem Hexentanzplatz oberhalb des Bodetals verweisen. In Thale wird der Weg durch in das Straßenpflaster eingelassene Hufeisen gekennzeichnet. Man kann diese Hufeisen käuflich erwerben und mit persönlichen Daten wie Namen und Geburtsdaten, Heiratsdaten oder ähnlichem gravieren lassen (sagt Google).

Wir spazieren durch den Park, machen Fotos von Skulpturen, toll geschnitzten Holzbänken und einem kleinen, am Rand des Parks stehenden Turms, der, wie es aussieht auch bewohnt ist.

 

Einen Eisladen haben wir noch nicht entdeckt. Ich will aber ein Eis. Also suchen wir weiter.

Am Bahnhof soll es Eis geben. Juchuuuu…. Wir gucken aber erst einmal in die Touristeninformation und kaufen ein paar Postkarten, an einer Imbissbude bestellen wir uns Kaffee und Tee und mampfen erst einmal ein wenig unserer Wanderverpflegung, Ines und ich rauchen ein Zigarettchen und dann bekommt Antje eeendlich ihr Eis.

Gestärkt und mit glücklicher Antje geht es zurück zu den Seilbahnen. Nun soll es die Gondelbahn zum Hexentanzplatz sein. Schnell sind wir in die heute doch sehr moderne Gondel gestiegen und ab geht die Fahrt in die Höhe. Da es sehr windig ist, heult der Wind ein wenig um die Gondel und es schaukelt auch, aber nur minimal.

Wieder oben angekommen, steigen wir aus der Gondel und laufen zum Hexentanzplatz. Dieser ist umgeben von Futterbuden und anderen Verkaufständen. Außerdem gibt es ein auf dem Kopf stehendes Hexenhaus. Wir gucken uns ein wenig um, machen Fotos von witzigen Hexen- und Teufelsfiguren und gehen zu einem am Rand befindlichen Ausguck um …. Fotos zu machen. Ines und Jule wollen nun noch ein Stückchen weiterlaufen, um sich an einem bestimmten Punkt den Stempel zu ergattern.

Ich gehe zum Hexentanzplatz zurück, setze mich auf eine Bank, mampfe meine Stulle und beobachte die Leutchen, die hier umherwuseln.

 

Juli und ich (Ines) haben Antje mit einem Buch und Verpflegung auf eine Bank in die Sonne gesetzt und marschieren los – Entfernung unbekannt. Auf einem gut befestigten Weg werden wir über Spuren und deren Verursacher aufgeklärt und haben dann linker Hand den Zoo. Der Weg wird zum Pfad und führt rechts am Zaun entlang. Eine Tafel am Baum verrät, zu Aussichtspunkt bzw. Stempelstelle genannt Prinzensicht sind es 1,4 km. Inklusive Aussicht genießen würden wir unsere Wanderkumpeline fast 1 Stunde allein lassen. Kurz vor uns ist auch ein Aussichtspunkt. Wir entscheiden, nur bis dort zu wandern als wir aus den Augenwinkeln ein großes graues Tier wahrnehmen.

Ein einsamer Wolf streift zwischen den Bäumen umher, auf der Suche nach seiner nächsten Beute. Doch uns droht keine wirkliche Gefahr, denn zwischen uns und dem großen grauen Tier befinden sich gleich zwei hohe Zäune des Tierparks. Das Gehege des Wolfs ist ziemlich klein und wir haben Mitleid mit dem eingesperrten Tier – der muss sich ja zu Tode langweilen. Er reißt sein Maul weit zu einem Gähnen auf und legt sich dann hin. Wir lassen ihn in Ruhe und folgen der Ausschilderung zur La Viershöhe, so benannt nach dem Oberförster La Viers, der im 19. Jahrhundert Wanderwege für die Harztouristen anlegen ließ. Hier holen wir uns wieder einen Stempel ab und genießen noch einmal die Aussicht auf das Bodetal und die Rosstrappe. Wir wollen Antje nicht allzu lange alleine lassen, also laufen wir wieder zurück zum Hexentanzplatz.

Als Ines und Jule zurückkommen, wollen die beiden in das Hexenhäuschen. Ich war schon einmal in solch einem ähnlichen Haus und warte wieder.

 

Schnell kommen die beiden wieder und nach einem kurzen Besuch von Walpurgishalle, Bergtheater und Homburg Turm (nur Ines und Jule) fahren wir mit der Gondel ins Tal zurück. Aber unser Auto steht oben an der Roßtrappe, also müssen wir mit dem Sessellift zurück. Auf dem Weg nach oben beginnt es zu regnen, aber einige der Sessel am Lift haben ein Dach, welches man runterziehen kann, so geht die Fahrt nach oben zurück.

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Wir steigen ins Auto und fahren nach Thale rein, um im Kaufland Lebensmittel einzuholen. Als erstes wird die Obst- und Gemüseauslage leergekauft. Nach und nach füllt sich der Korb mit gesundem Futter. In der Getränkeabteilung finden wir kein passiges Bier, aber ein kleine Buddel Kräuterlikör landet schon einmal im Korb.

In einem angrenzenden Getränkemarkt entscheiden wir uns, nach seeehr langer Suche für jeweils zwei verschiedene Biere, die wir stolz ins Auto tragen.

Jetzt geht es endlich nach Schierke, wo wir versuchen, den Großeinkauf irgendwie in der Miniküche unterbringen.

Ines und Jule schnibbeln haufenweise Gemüse und Obst und ich brutzele in der Küche eine Art Ratatouille. Dazu gibt es eine Soße aus Frischkäse und leckere Bandnudeln mit Chili.

Unser Menü besteht außerdem aus einem frischen Salat und als Dessert gibt es Obstsalat. Seeehhr gesund ernähren wir uns.

Nach dem Abwasch genießen wir ein Bierchen und spielen eine Runde Rommé und durchforsten die riesige Spielesammlung in Jules Zimmer. Wir entscheiden uns für ein Gespensterspiel und „Mensch ärgere dich nicht“. Müde und erschöpft fallen wir anschließend in die Betten.

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Donnerstag, 13.04.2017

Es ist hell. Wie spät mag es sein? Ein Blick aus dem Fenster verrät, die Sonne scheint; aus dem Wurmberg und den umliegenden Wäldern kriecht der Himmel. Ein Blick auf die Uhr sagt, es ist 7 Uhr, und laut Magen ist es Zeit fürs Frühstück, bei welchem dann bei frischem Kaffee und Brötchen der heutige Tag besprochen wird. Schon seit Montag reden wir von der kleinsten Holzkirche Deutschlands und beschließen dorthin zu wandern.

Weil gestern nicht so richtig Zeit und Lust zum Schreiben vorhanden war, wird das heute vormittag noch schnell erledigt, auch das Bilderhochladen. Jules Bericht für Dienstag sorgt bei allen für gute Laune und so machen wir uns gegen 10 Uhr beschwingt auf den Weg ins Tal des Elends. Der Name kommt eigentlich von abgelegen/einsam; schon erstaunlich, welchen Weg die Etymologie manchmal geht.

Noch in Schierke kommen wir an kleinen hübschen Häuschen vorbei. Wir wollen die Kirche besichtigen, doch dort findet gerade eine Trauerfeier statt und so schließen wir die Tür wieder – ganz leise.

Den Wanderweg nach Elend finden wir schnell, immer am Fluß entlang. Wir singen ein bisschen doch die Lieder die uns einfallen gehören eigentlich in den Thüringer Wald und wir lassen es. Wir sind wieder auf dem Teufelsstieg. Von Zeit zu Zeit stehen Schilder am Wegesrand mit Auszügen aus Goethes Faust, der sich hier für die Walpurgisszene inspirieren ließ.

Weil das Laufen auf befestigten – sprich asphaltierten Straßen – langweilig ist biegen wir ab auf einen leicht ansteigenden von Wurzeln durchzogenen Pfad durch den Wald, doch immer in Hörweite der Kalten Bode. Es rauscht und gurgelt, und ab und zu echot das Geheul der Kleinbahn zu uns herüber. Der Weg wird immer nasser und moddriger. An einer Brücke wechseln wir die Flussseite. Jule läuft einfach schnell rüber. Die Metallbrücke ist zwar schmal, sieht jedoch stabil aus. Aber warum balanciert Antje so seltsam breitbeinig über die Brücke? Ich bin an der Reihe und da sehe ich es. Die Eisenplatten sind stellenweise komplett durchgerostet und man sieht das schäumende Wasser „tief“ unten. Ich balanciere genauso seltsam, immer die Füße schön auf die Träger setzen.

Kurz vor Elend kommen wir auf einen Rastplatz mit einer großen Fichte. Eine Tafel verrät; sie ist 200 Jahre alt, 41 Meter hoch und wir drei reichen nicht aus um sie vollständig zu umfassen. In Elend selbst steht die bereits erwähnte kleine Holzkirche. Seltsamerweise sieht sie jetzt wo wir davor stehen gar nicht so klein aus und zu ist sie auch. In der Nähe ist schon das Holz für das Osterfeuer am Sonnabend aufgeschichtet.

An einem kleinen Tante Emma Laden – hier gibt es tatsächlich alles: Andenken und frische Brötchen, Marmelade und Seife, Obst, Gemüse, Zeitungen, Konserven usw. – holen wir uns heißen Kaffee, ein paar Postkarten und ich mir endlich Handschuhe. Zum Kaffee ein Pfeifchen rundet die kleine Rast ab.

Nach kurzer Beratung entscheiden wir, zurück anders zu gehen. Es gibt eine Burgruine zu besichtigen und einen Aussichtspunkt (mit Stempelstelle !). Ein Schild sagt, da lang, und wir folgen. Es geht recht steil den Berg hinauf. Oben erwarten uns ein paar in den Fels gehauene Treppen und Felsen. Die Spuren von Zivilisationen sind modernerer Natur: Bierdosen, Fünfminutenterrinebecher. Jemand hat einen Hexen- oder Was-auch-immer-Kreis gebaut. Wir suchen wo der Weg weitergeht, krabbeln den Berg an verschiedenen Stellen wieder runter. Jule wählt die steilste und ist am schnellsten unten. Wir zwei Älteren nehmen die sichere Route – die ist schwierig genug.

Jetzt noch den Aussichtspunkt finden, aber wir sind nicht wie gewollt gewandert. Links von uns plätschert die Kalte Bode – noch 1 km bis Schierke – da sehen wir einen Wegweiser nach Helenenruh, dem Aussichtspunkt. Es geht steil bergan, dem Eckerlochstieg nicht unähnlich, nur im Miniformat. Antja sagt ‚ich nicht‘. Wir verabreden uns in der Ferienwohnung und Jule und ich kraxeln allein.

Der Weg hat etwas märchenhaftes. Wir wandern über Steine, links und rechts von uns stehen so 4 m hohe Nadelbäume zwischen denen große grünbewachsene Felsbrocken liegen. Ganz plötzlich wird es vor bzw. über uns lichter und wir trauen unseren Augen kaum. Zwischen den Bäumen schimmert ein Haus, welches sich beim näherkommen als moderne Hotelanlage entpuppt.

Wir lassen das hier so unpassend wirkende Ding links liegen und folgen dem Waldweg bis wir zur Schützhütte. Wir treten schnell ein denn just in diesem Moment beginnt es zu regnen. Der Stempel hier ist leider kaputt. Wir müssen uns merken, einer einfacher blauer Ring bedeutet Helenenruh. Bei klarem Wetter soll man von hier den Brocken sehen können. Wir zweifeln, da sind einfach zu viele Bäume, die die Sicht versperren. Auf dem Rückweg – wir haben diesmal die bequeme Straße gewählt – werden wir dann doch noch richtig nass. Aber auch wieder trocken, denn kaum betreten wir Schierke, kommt die Sonne raus. Ich habe ein Déjà-vu – da Gleiche geschah auch im Mai 2011, als ich schon einmal hier wandern war.

 

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Zurück in unserem Domizil gibt es heißen Kaffee und ein paar Kekse, während wir unseren Abend organisieren. Wir haben uns mit Freunden und Familie – überwiegend nicht gesehen seit 6 Jahren – in Wernigerode verabredet. Lassen wir uns abholen und nehmen zurück ein Taxi? Das wird ganz schön teuer – selbst Antjes Verhandlungsgeschick reicht nicht aus. Jule bietet an zu fahren, damit wir zwei anderen ein Bierchen trinken können. Wir nehmen an und also das Auto.

Wernigerode ist nur 18 km von Schierke entfernt und so sind wir schnell dort. Der Reiseführer sagt etwas von einem Baumkuchenhaus. Das wollen wir sehen. Es entpuppt sich als ein Cafe mitten im Industriegebiet, umgeben von Hasseröder Brauerei und Wergona Schokolagen GmbH, wo die Brockensplitter herkommen. Wir gönnen uns Baumkuchen in verschiedenen Sorten.

 

Zu um 6 Uhr haben wir uns verabredet, um noch ein wenig diese schöne Stadt zu besichtigen. Das erste Lokal verlassen wir wieder. Die Bedienung kippt ein großes Bier quer über den Tisch und entschuldigt sich dann nicht einmal. Im Brauhaus finden wir einen gemütlichen 6er Tisch und lassen den Abend bei weiterem Bier und Gesprächen ausklingen.

 

Die Rückfahrt bewältigen wir mit durchschnittlich 40 km – wir wissen nicht, wie das Fernlicht funktioniert und die Straßen hier sind nicht ohne. Im Endeffekt erweist sich das als Vorteil, denn kurz vor Schierke überqueren 2 riesige Hirschkühe die Straße.

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Freitag, 14.04.2017

Leider fehlt der Bericht für diesen Tag noch. Der Schreiber hält sich gerade in Frankreich auf und schreibt am aktuellen Reisebericht.

Wir waren in St. Andreasberg, in der Samson Grube, einer alten Erzmine. Es enthält auch ein Kanarienvogel-Museum. Harzer Roller ist nämlich nicht nur ein Käse. Wir erfahren, warum diese Vögel hier gezüchtet wurde und was daraus später wurde. Wir lernen das Harzer Wasserregal (Oderteich) kennen, welches heutzutage zur Stromerzeugung genutzt wird. Daher ist die alte Fahrkunst noch immer in Betrieb.

Hier in St. Andreasberg haben wir auch das erste Mal tanken müssen und Jule hat sich im Glasblasen geübt.

Zum Abendbrot gibt es Nudeln mit gebratenen Pilsen und Gemüse.

 

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Sonnabend, 15. April 2017

Heute, wie jeden Morgen ein reichhaltiges Frühstück eingenommen, geduscht . Auf dem Plan steht heute die Einhornhöhle im Herzberger Ortsteil Scharzfeld . Jule fährt. Da bis zur Führung noch ein wenig Zeit ist, entschließen wir uns, einen kleinen Abstecher zum Schloss Herzberg zu machen. Es geht ziemlich steil bergauf und fast hätten wir den Abzweig zum Schloss verpasst. In letzter Sekunde sehen wir das Schild mit dem Hinweis zum Schloss und kündigen dies mit einem undefinierbaren Laut an (Näääääää…hiiierräääää). Wir lachen uns erst einmal schlapp…können uns kaum beruhigen.

Das Schloss ist eine über 900 Jahre alte Schlossanlage.

Das Welfenschloss hoch über der Stadt gelegen, stammt in seinen ältesten Teilen aus dem 16. Jahrhundert und ist schon als Baudenkmal einen Besuch wert. Nach einem Brand im Jahre 1510, der den Vorgängerbau fast völlig zerstörte, wurde das heutige Schloss als Renaissance Fachwerkbau wieder aufgebaut. Sehenswert soll ein Turm im Innenhof sein, der leider komplett von einem Baugerüst verdeckt ist.

Das Schloss war Reichsburg, Residenz des Herzogs, Witwensitz, Jagdschloss, Sitz des Amtmannes – im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Herzberger Schloss viele unterschiedliche Nutzungen. Bereits 1158 gelangte die Burg in den Besitz der Welfen.

Herzberg gilt als „Wiege“ des hannoverschen Königshauses.

Im Schloss befindet sich ein Museum zur Geschichte des Welfenschlosses, eine Präsentation des Evangeliar Heinrichs des Löwen als Faksimile (= originalgetreue Nachbildung oder Reproduktion einer Vorlage, häufig im Falle historisch wertvoller gedruckter oder handschriftlich erstellter Dokumente – so Wikipedia). Das Evangeliar ist eines der wenigen in Deutschland vorhandenen Faksimiles des Evangeliar Heinrichs des Löwen.

Beeindruckend ist auch eine riesige Ahnentafel oder Stammbaum. Viele Ernst Augusts hat es gegeben und ziemlich weit unten fallen uns unter anderem die Namen der Queen von England und zu guter Letzt der jüngste Spross des englischen Königshauses Prince Georg auf.

Weitere Abteilungen des Museums zeigen uns die Herzberger Gewehrmanufaktur, eine forstgeschichtliche Ausstellung, einen Rittersaal und ganz oben befindet sich eine Esperanto-Ausstellung. Herzberg am Harz trägt den Titel „die Esperanto-Stadt“. Man hat zu DDR-Zeiten mal etwas von dieser Sprache gehört.

 

Nachdem wir uns nun kulturell gebildet haben, geht es zur Einhornhöhle. Dort angekommen, erfahren wir, dass zu jeder vollen Stunde eine Führung stattfindet. Wir entschließen uns, eine Stunde zu warten und uns mit einem heißen Getränk zu wärmen. Vor der Höhle steht ein merkwürdiges Skelett aus Holz. Das also soll ein Einhorn sein? So etwas soll es wirklich gegeben haben? Wir werden sehen.

Kurz vor 14.00 Uhr gesellen wir uns zu den anderen Wartenden. Der Höhlenführer erscheint, stellt sich vor und führt uns in die Höhle. Es geht durch einen schmalen ziemlich tiefen Gang ins Innere der Höhle. Unser Führer ist ein merkwürdiger Typ, Dipl.-Geologe und in seiner Erzählweise fast gruseliger als die ganze Höhle, so Jules Aussage. Er berichtet uns über den Mythos des Einhorns und wir folgen ihm auf den Spuren berühmter Forscher wie Leibnitz, Goethe, Virchow uva. und entdecken in schmalen Gängen und großen Sälen mit den Namen „Weißer Saal“, „Schiller-Saal“, „Blaue Grotte“, verborgene Zeugnisse der Urzeit. In der „Blauen Grotte“ fällt Tageslicht ins innere der Höhle. Dies sei der eigentliche Eingang der Höhle. Unter diesem „Eingang“ befindet sich ein aufgeschütteter Berg aus Erde, Knochen.

Uns fällt auf, dass die Höhlenwände durch zahlreiche Buchstaben und Zahlen „bekritzelt“ sind. Es sind jedoch keine Graffitis, sondern so kennzeichneten in frühen Jahren die Höhlenbesucher ihren Weg durch die Höhle, um wieder zurückzufinden.

Die Höhle war Jahrzehntausende lang Heimstatt von Höhlenbären, Höhlenlöwen (sieht aus wie ein Minisäbelzahntiger), Wölfen und Neandertalern.

Ende des 16. Jahrhunderts soll es in den Höhlen Grabungen nach Knochen von Einhörnern gegeben haben. Die Knochen galten als Heilmittel. Gottfried Wilhelm Leibnitz rekonstruierte aus in der Höhle gefundener Knochen das Skelett eines Einhorn. Diese sonderbare, im realen Leben gar nicht lebensfähige Kreatur wurde zum Symbol und Markenzeichen der Höhle. Bei den Knochen handelte es sich allerdings um Knochen großer Säugetiere, wie zum Beispiel des Höhlenbären. Tja…

Der Führer erzählt uns, dass es in der Höhle verschiedene Events, Seminare und sogar Kindergeburtstage geben soll, was wir uns aber so gar nicht vorstellen können. Die vielen mitgebrachten Kleinkinder haben an der Führung so überhaupt kein Interesse und so manches Mal kann man durch das Kindergebrabbel gar nicht alles verstehen, was uns der gruselige Führer zum Besten gibt.

Die Führung durch die Höhle ist für meine Begriffe ziemlich schnell beendet und so laufen wir gemeinsam den Weg durch die Höhle zurück um wieder ans Tageslicht zu gelangen.

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Dort wärmen wir uns kurz im Kaffee auf und fahren dann nach Osterode, um dort im Kaufland wieder massig Lebensmittel einzuholen.

Wenn man schon einmal in der Gegend ist, wird noch fix die Innenstadt von Osterode besucht. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass hier alle Städte gleich aussehen. Jeder Ort hat eine Kirche oder mehrere, einen kleinen Marktplatz, ein Rathaus umgeben von Fachwerkhäuschen. In irgendeiner Stadt haben wir das alte Rathaus gesucht. Ich glaube es war Osterode…

Wir fahren zurück nach Schierke, wo wir uns einen leckeren Nudelsalat zubereiten. Dazu gibt es eine Tasse heiße Brühe und ein leckeres Bierchen. Zu später Stunde verkriechen wir uns in die Betten.

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Sonntag, 16. April 2017

 

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